Werk:De docta ignorantia/202
Sed si homo elevatur ad unitatem ipsius potentiae, ut non sit homo [1] in se subsistens creatura, sed in unitate cum infinita potentia, non est ipsa potentia in creatura, sed in seipsa terminata. Haec autem est perfectissima operatio maximae Dei potentiae infinitae et interminabilis, in qua deficere nequit; alioquin neque creator esset neque creatura. Quomodo enim creatura esset contracte ab esse divino [2] absoluto, si ipsa contractio sibi unibilis non esset? Per quam cuncta, [3] ut sunt ab ipso, qui absolute est, existerent, ac ipsa, ut sunt contracta, ab ipso sint, cui contractio est summe unita, ut sic primo sit Deus creator; secundo Deus et homo creata humanitate supreme in unitatem sui assumpta, quasi universalis rerum omnium contractio [4] aequalitati omnia essendi hypostatice ac personaliter unita, ut sit per Deum absolutissimum mediante contractione universali, quae humanitas est; tertio loco omnia in esse contractum prodeant, ut sic hoc ipsum, quod sunt, esse possint ordine et modo meliori.
Hic autem ordo non temporaliter considerari debet, quasi Deus in [5] tempore praecesserit primogenitum creaturae, aut quod primogenitus Deus et homo tempore mundum antevenerit, sed natura et ordine perfectionis supra omne tempus, ut ille apud Deum supra tempus cunctis prior existens in plenitudine temporis multis revolutionibus praeteritis mundo appareret.
Wird aber der Mensch zur Einheit mit dieser Möglichkeit erhoben, so daß er nicht mehr als in sich bestehendes Geschöpf, wohl aber in der Einheit mit der unendlichen Möglichkeit Mensch ist, so ist diese Möglichkeit nicht im Geschöpf, sondern in sich selbst begrenzt. Dieses aber ist die vollkommenste Tat der größten, unendlichen und unbegrenzbaren Mächtigkeit Gottes, in der keine Schwäche sein kann, sonst gäbe es weder Schöpfer noch Geschöpf. Denn wie sollte es vom absoluten, göttlichen Sein auf verschränkte Weise das Geschöpf geben, wenn die Verschränkung selbst jenem unvereinbar wäre?
Durch diese existiert alles, insoweit es von dem auf absolute Weise Seienden stammt. Als Verschränktes stammt es von jenem, dem die Verschränkung in höchster, vollkommenster Weise vereint ist: So steht an erster Stelle Gott der Schöpfer.
An zweiter Stelle steht Gott und der Mensch, nachdem er die geschaffene Menschheit vollkommen, in höchster Weise, in seine Einheit aufgenommen hat, gleichsam als die universale Verschränkung aller Dinge der Gleichheit allen Seins hypostatisch und personal vereint, so daß sie durch Gott, den schlechthin Absoluten, vermittels der allgemeinen Verschränkung, die die Menschheit ist, zustande kommt.
An dritter Stelle geht alles ins verschränkte Sein über, so daß es das, was es ist, der Ordnung entsprechend auf bestmögliche Weise sein kann.
Dieser Zusammenhang darf aber nicht zeitlich betrachtet werden als ob Gott in der Zeit als das Erstgeborene dem Geschöpf vorhergegangen sei oder, daß der erstgeborene Gottmensch hinsichtlich der Zeit der Welt vorangegangen sei; vielmehr steht er nach Natur und Ordnung der Vollkommenheit jenseits jeder Zeit, so wie jener bei Gott jenseits der Zeit und früher als alles war und erst nach vielen Umläufen in der Fülle der Zeit der Welt erschien.== Einzelnachweise ==