Werk:De docta ignorantia/206
Quare quadam licet remota similitudine ita in Iesu considerandum, ubi humanitas in divinitate suppositatur, quoniam aliter in sua [1] plenitudine maxima esse non posset. Intellectus enim Iesu, cum sit [2] perfectissimus penitus in actu existendo, non potest nisi in divino intellectu, qui solum est actu omnia, suppositari personaliter. Intellectus enim in omnibus hominibus possibiliter est omnia, crescens gradatim de possibilitate in actum, ut quanto sit maior, minor sit in [3] potentia. Maximus autem, cum sit terminus potentiae omnis intellectualis naturae in actu existens pleniter, nequaquam existere potest, quin ita sit intellectus, quod et sit Deus, qui est omnia in omnibus. Quasi ut si polygonia circulo inscripta natura foret humana, et circulus divina: si ipsa | polygonia maxima esse debet, qua maior esse [4] [5] non potest, nequaquam in finitis angulis per se subsisteret, sed in circulari figura, ita ut non haberet propriam subsistendi figuram, etiam intellectualiter ab ipsa circulari et aeterna figura separabilem. .
Nach dieser, wenn auch vielleicht sehr entfernten Ähnlichkeit ist Jesus zu betrachten; in ihm ist die Menschheit, da sie sonst in ihrer Fülle nicht sein könnte, in der Gottheit begründet. Denn der Geist Jesu, der unbedingt vollkommenste in dem als Wirklichkeit Existierenden, kann als Person nur im Göttlichen Geist, der allein als Wirklichkeit alles ist, begründet werden.
Der Intellekt ist in allen Menschen der Möglichkeit nach alles. Er wächst nach und nach aus der Möglichkeit in die Wirklichkeit, so daß er in jener um so viel kleiner ist, als er größer in dieser ist. Der größte Geist kann, da er die vollständig als Wirklichkeit bestehende Zielgrenze der Möglichkeit der ganzen intellektuellen Natur ist, in keiner Weise existieren, ohne so Intellekt zu sein, daß er auch Gott ist, der alles in allem ist. Einem Kreis ist ein Vieleck eingeschrieben: dieses sei die menschliche Natur, jener stelle die göttliche dar. Wenn dieses Vieleck das größte sein sollte, über das hinaus es kein größeres geben könnte, dann würde es niemals in begrenzten Winkeln durch sich, sondern in der Kreisfigur bestehen, so daß es keine eigene Figur des Subsistierens, auch keine auf intellektuelle Weise von der ewigen Figur des Kreises trennbare Figur hätte.== Einzelnachweise ==