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Werk:De docta ignorantia/214

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Quando igitur venit plenitudo temporis, cum sine tempore homo [1] nasci non posset, tunc natus est in tempore et loco ad hoc aptissimo, omnibus tamen creaturis occultissimo. Summae enim plenitudines incomparabiles sunt aliis quotidianis experientiis. Hinc nullo signo quaecumque ratio eas apprehendere potuit, quamvis quadam occultissima prophetica inspiratione quaedam signa obscura tradiderint [2] obumbrata humanis similitudinibus, ex quibus rationabiliter incarnandum Verbum in temporis plenitudine praevidisse potuissent sapientes. Praecisionem vero loci vel temporis aut modi solus aeternus genitor praescivit, qui ordinavit, ut, dum medium silentium tenerent omnia, quod tunc in noctis discursu Filius ab arce superna [3] in uterum virginalem descenderet et ordinato convenienti tempore in forma servi se mundo manifestaret.

Als daher die Fülle der Zeit gekommen war, ist er, der als Mensch nicht ohne Zeit geboren werden konnte, zu der Zeit und an dem Ort, die dazu am geeignetsten waren, aber allen Geschöpfen völlig verborgen, zur Welt gekommen. Denn die höchste Fülle kann mit den anderen täglichen Erfahrungen nicht verglichen werden. Darum konnte keine menschliche Vernunft sie aus irgendeinem Zeichen begreifen, obwohl durch geheimnisvolle, prophetische Eingebung manche verborgene Zeichen, verdunkelt durch die Nähe menschlicher Gleichnisse, überliefert waren, aus denen der Verstand der Weisen hätte voraussehen können, daß das Wort in der Fülle der Zeit Fleisch annehmen müsse.

Der ewige Zeuger allein wußte die genaue Bestimmung von Ort, Zeit und Art und Weise voraus; er, der es so geordnet hatte, daß, während das tiefe Schweigen alles umfangen hielt, inmitten der Nacht der Sohn vom höchsten Thron in den jungfräulichen Schoß herabstieg und, nachdem die angemessene Zeit bestimmt war, sich der Welt in Knechtsgestalt offenbarte.== Einzelnachweise ==

  1. ↑ 135.20
  2. ↑ 135.25
  3. ↑ 135.30