Werk:De docta ignorantia/225
Adiuva ingenii parvitatem ac ignorantiam tuam exemplo Christi in frumenti grano, ubi numerus grani corrumpitur remanente essentia specifica sana, qua mediante natura multa grana resuscitat; quod si ipsum granum esset maximum atque perfectissimum, tale in terra [1] optima atque fecundissima moriens, non tantum centesimum aut millesimum fructum afferre posset, sed tantum, quantum natura speciei in sua possibilitate amplecteretur. Hoc est quidem, quod ait Veritas, quomodo fructum multum afferret; multitudo enim finitas est sine numero.
[2] Intellige itaque acute: Humanitas enim Iesu eo ipso, quod ad hominem Christum contracta consideratur, eo ipso etiam divinitati unita simul intelligatur. Cui ut unita est, plurimum absoluta est; ut consideratur Christus verus homo ille, contracta est, ut per humanitatem homo sit. Et ita humanitas Iesu est ut medium inter pure [3] absolutum et pure contractum. Secundum hoc itaque non fuit corruptibilis nisi secundum quid, et simpliciter incorruptibilis. Fuit igitur secundum temporalitatem, ad quam contracta fuit, corruptibilis, et secundum hoc, quod fuit absoluta a tempore et supra tempus et divinitati unita, incorruptibilis.
Man könnte unserer Unwissenheit und der Beschränktheit unserer geistigen Fassungskraft durch das Gleichnis Jesu [p.471] vom Getreidekorn zu Hilfe kommen. Dort geht die Individualität des Kornes zugrunde, während die eigengestaltliche Wesenheit erhalten bleibt und die Natur durch sie viele Körner entstehen läßt. Wäre nun jenes Korn das größte und vollkommenste und stürbe es in der besten und der fruchtbarsten Erde, dann könnte es nicht nur hundert- oder tausendfältige Frucht tragen, sondern soviel, wie die Natur der Eigengestalt in ihrer Möglichkeit umfaßt.
Das ist es, was die Wahrheit mit dem Wort meint, es bringe viele Frucht, denn Vielheit ist Endlichkeit ohne Zahl.
Man verstehe also genau: Die Menschheit Jesu wird, wenn sie als die zum Menschen Christus verschränkte betrachtet wird, zugleich auch als die mit der Gottheit vereinte begriffen. Sofern sie dieser vereint ist, ist sie in höchstem Maße absolut, sofern Christus als dieser bestimmte wahre Mensch betrachtet wird, ist sie verschränkt, so daß er durch die Menschheit Mensch ist. Und so ist die Menschheit Jesu die Mitte zwischen dem rein Absoluten und dem rein Verschränkten. Dementsprechend war sie nur in bezug darauf vergänglich, einfachhin betrachtet aber unvergänglich; der Zeitlichkeit entsprechend, zu der sie verschränkt war, vergänglich, und in bezug darauf, daß sie von der Zeit gelöst, jenseits dieser und der Gottheit vereint war, unvergänglich.== Einzelnachweise ==