Werk:De docta ignorantia/230
Fatentur pariter Iudaei cum istis Messiam maximum, perfectissimum [1] et immortalem hominem, quem Deum negant eadem diabolica caecitate detenti. Qui etiam supremam beatitudinem fruitionis Dei, uti nos Christi servuli, sibi futuram non sperant, sicut nec consequentur. Et id, quod mirabilius iudico, est, quod tam ipsi Iudaei quam Sarraceni resurrectionem generalem credunt futuram, et [2] possibilitatem per hominem, qui etiam Deus est, non admittunt. Nam etsi diceretur, quod cessante motu generationis et corruptionis perfectio universi absque resurrectione esse non posset, cum natura media humana sit pars una essentialis universi, sine qua universum non solum perfectum, sed nec universum esset, et quod propter [3] hoc necessarium sit, si aliquando cessat motus, totum universum perire aut homines ad incorruptibilitatem resurgere, in quibus omnium mediorum natura completa est, ita ut alia animalia non sit [4] necesse resurgere, cum homo sit ipsorum perfectio; aut si resurrectio eapropter futura diceretur, ut to|tus homo retributionem condignam [5] meritorum a Deo iusto recipiat: tamen adhuc super omnia necessarium est Christum Deum et hominem credi, per quem solum natura [6] humana ad incorruptibilitatem potest pervenire.
Ebenso wie sie bekennen auch die Juden, daß der Messias der größte, vollkommenste und unsterbliche Mensch sei. Doch derselben teuflischen Verblendung verfallen, leugnen sie, daß er Gott ist. Sie werden die höchste Seligkeit, Gottes Nähe zu genießen, welche sie – anders als wir Diener Christi – nicht erhoffen, auch nicht erreichen. Und was ich für noch sonderbarer halte, ist, daß die Juden ebenso wie die Sarazenen an eine allgemeine, zukünftige Auferstehung glauben, aber die Möglichkeit durch den Menschen, der auch Gott ist, nicht zulassen.
Denn wenn man auch sagte, daß nach Aufhören der Bewegung von Entstehen und Vergehen die Vollendung des Universums ohne Auferstehung unmöglich wäre – denn die mittlere, menschliche Natur ist ein wesentlicher Teil des Gesamt, ohne den dieses nicht nur nicht vollkommen, sondern auch nicht das Gesamt wäre – und daß, wenn irgendwo die Bewegung aufhörte, das ganze Universum zugrunde ginge oder aber die Menschen zur Unvergänglichkeit erstünden – in ihnen ist als dem Mittleren aller Dinge, die Natur [p.479] erfüllt, so daß es nicht nötig wäre, daß die anderen Lebewesen auferstehen, da der Mensch deren Vollendung ist – oder wenn die Auferstehung deswegen als eine zukünftige bezeichnet würde, damit so der ganze Mensch die völlig gebührende Wiedergutmachung von Gott dem Gerechten erhalte: dann wäre es dennoch über alles notwendig, an Christus als an den Gott und Menschen, durch den allein die menschliche Natur zur Unvergänglichkeit gelangen kann, zu glauben.== Einzelnachweise ==