Werk:De docta ignorantia/236
Unde, cum lux illa infinita sit ipsa aeternitas atque veritas, necesse est, ut rationalis creatura, quae per ipsam illuminari desiderat, ad vera et aeterna se convertat supra ista mundana et corruptibilia. [1] Contrario modo se habent corporalia et spiritualia. Virtus enim vegetativa corporalis est, quae convertit alimentum ab extrinseco receptum in naturam aliti; et non convertitur animal in panem, sed e converso. Spiritus autem intellectualis, cuius operatio est supra tempus [2] quasi in horizonte aeternitatis, quando se ad aeterna convertit, non potest ipsa in se convertere, cum sint aeterna et incorruptibilia. Sed nec ipse, cum sit incorruptibilis, ita se in ipsa convertit, ut desinat esse intellectualis substantia; sed convertitur in ipsa, ut absorbeatur [3] in similitudinem aeternorum, secundum gradus tamen, ut magis ad ipsa et ferventius conversus magis et profundius ab aeternis perficiatur et abscondatur eius esse in ipso aeterno esse. Christus autem cum sit immortalis amplius et vivat et sit vita et veritas, qui se ad ipsum convertit, ad vitam se convertit et ad veritatem; et quant [4] hoc ardentius, tanto magis a mundanis et corruptibilibus se ad aeterna elevat, ut vita sua sit abscondita in Christo. Virtutes enim sunt aeternae, iustitia permanet in saeculum saeculi; ita et veritas.
Da dieses unendliche Licht die Ewigkeit und Wahrheit selbst ist, muß das vernünftige Geschöpf, das von ihm erleuchtet zu werden begehrt, sich über dieses Irdische und Vergängliche hinaus dem Wahren und Ewigen zuwenden. Das Körperliche und Geistige verhält sich zueinander gegensätzlich.
Die vegetative Kraft ist körperlich. Sie verwandelt die von außen aufgenommene Nahrung in die Natur des Ernährten; das Lebewesen wird nicht in Brot verwandelt, sondern umgekehrt.
[p.485] Der vernünftige Geist aber, dessen Tun jenseits der Zeit gleichsam im Horizont der Ewigkeit liegt, kann, wenn er sich dem Ewigen zukehrt, dieses nicht in sich selbst verwandeln, da es ewig und unvergänglich ist.
Er kann sich auch nicht, da er unvergänglich ist, so in dieses verwandeln, daß er aufhörte, vernünftige Substanz zu sein. Er verwandelt sich vielmehr so in es, daß er in die Ähnlichkeit des Ewigen aufgenommen wird; dies geschieht stufenweise, so daß er, je mehr und je glühender er dem Ewigen zugekehrt ist, um so stärker und tiefer vom Ewigen vollendet und sein Sein im ewigen Sein geborgen wird.
Da Christus unsterblich ist, lebt und das Leben und die Wahrheit ist, wendet sich jeder, der sich ihm zukehrt, dem Leben und der Wahrheit zu. Und je inniger er das tut, um so weiter erhebt er sich vom Irdischen und Vergänglichen zum Ewigen, so daß sein Leben in Christus geborgen ist. Die Tugenden nämlich sind ewig, die Gerechtigkeit durchdauert die Zeiten; so auch die Wahrheit.== Einzelnachweise ==