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Werk:De docta ignorantia/241

aus AufEinWort, der freien Forschung

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[1] Quod si intellectus absolutus ab hoc corpore, in quo opinionibus ex tempore subicitur, ad optatum finem non pertingit, sed potius, cum appetat veritatem, cadit in ignorantiam et cum ultimo desiderio non aliud desideret quam ipsam veritatem non in aenigmate aut signis, sed certitudinaliter facietenus apprehendere, tunc, cum ob [2] aversionem ipsius a veritate in hora separationis et conversionem ad corruptibile cadat ad desideratum corruptibile, ad incertitudinem et confusionem in ipsum tenebrosum chaos merae possibilitatis, ubi nihil certi actu, recte ad intellectualem mortem descendisse dicitur. Est enim animae intellectuali intelligere esse, et intelligere desideratum [3] est sibi vivere. Propter hoc, sicut ei est vita aeterna apprehendere ultimo desideratum stabile aeternum, ita est ei mors aeterna separari ab illo stabili desiderato et praecipitari in ipsum chaos confusionis, ubi igne perpetuo cruciatur modo suo, a nobis non intelligibili aliter quam ut cruciatur privatus vitali alimento et sanitate, et non illis [4] tantum, sed et spe aliquando assequendi, ut sine exstinctione et fine semper moriatur agonizando.

Wenn der Geist, losgelöst von diesem Körper, in dem er den Meinungen der Zeit unterworfen ist, nicht zum ersehnten Ziel gelangt, sondern vielmehr in seinem Streben nach Wahrheit, in Unwissenheit fällt – obwohl er mit tiefstem Begehr nichts anderes ersehnt als nicht in Spiegel oder Zeichen, sondern von Angesicht zu Angesicht die Wahrheit in Gewißheit zu begreifen – wenn er dann wegen seiner Abkehr von der Wahrheit in der Stunde der Trennung und wegen seiner Hinkehr zum Vergänglichen dem vergänglichen Begehr anheimfällt, der Unsicherheit und Verwirrung hin zum schattenhaften Chaos bloßer Möglichkeit, wo es nichts Gewisses in der Wirklichkeit gibt, dann sagt man mit Recht, er sei in den geistigen Tod herabgesunken.

Erkennen ist das Sein der geistigen Seele; das Ersehnte zu erkennen, ihr Leben. Ebenso wie es für sie ewiges Leben bedeutet, das Letzt-Erstrebte, Beständige, Ewige zu erfassen, bedeutet es darum auch ewigen Tod für sie, von jenem beständigen Erstrebten getrennt und in dieses Chaos der Verwirrung gestürzt zu werden, wo sie mit immerwährendem Feuer gequält wird; und zwar auf eine Art, die von uns nicht anders verstanden werden kann, als daß die Seele, nicht nur der Lebensspeise und Gesundheit beraubt, sondern auch der Hoffnung, sie einst zu erlangen, gequält wird, so daß sie in immerwährendem Todeskampf stirbt.== Einzelnachweise ==

  1. ↑ 150.5
  2. ↑ 150.10
  3. ↑ 150.15
  4. ↑ 150.20