Werk:De docta ignorantia/258
Si ista, uti sunt, profunda mente meditatus fueris, admiranda dulcedine [1] spiritus perfunderis, quoniam interno gustu inexpressibilem Dei bonitatem quasi in fumo aromaticissimo odorabis, quam tibi transiens ministrabit; de quo satiaberis, cum apparuerit gloria eius. Satiaberis, dico, absque fastidio, quoniam hic cibus immortalis est [2] ipsa vita. Et sicut semper crescit desiderium vivendi, ita cibus vitae semper comeditur, absque hoc quod in naturam comedentis convertatur. Tunc enim fastidiosus cibus esset, qui gravaret et vitam immortalem praestare non posset, cum in se deficeret et in alitum converteretur. Desiderium autem nostrum intellectuale est intellectualiter [3] vivere, hoc est continue plus in vitam et gaudium intrare. Et quoniam illa infinita est, continue in ipsam beati cum desiderio feruntur. Satiantur itaque quasi sitientes de fonte vitae potantes; et quia ista potatio non transit in praeteritum, cum sit in aeternitate, semper sunt beati potantes et semper satiantur, et numquam biberunt [4] aut saturati fuerunt.
Wenn wir dies genau betrachten, durchströmt uns die wunderbare Wonne des Geistes, denn wir empfinden in unserem Innern die unaussprechliche Güte Gottes, die er uns, wie einen wohlriechenden Duft, im Vorübergehen schenkt. Ohne Überdruß werden wir von ihm gesättigt werden, wenn seine Herrlichkeit erscheint. Denn diese unsterbliche Speise ist das Leben selbst. Wie das Verlangen nach dem Leben ständig wächst, so wird die Lebensspeise ständig verzehrt, doch wandelt sie sich nicht in die Natur dessen, der sie verzehrt. Dann nämlich, wenn sie in sich mangelhaft wäre und in das Ernährte umgewandelt würde, wäre sie widerwärtig und beschwerlich und könnte das unsterbliche Leben nicht gewähren.
Unser geistiges Sehnen aber ist, geistig zu leben, d. h., ohne Aufhören immer tiefer in Leben und Freude einzugehen. Weil dieses Leben unendlich ist, werden die Seligen unaufhörlich voll Sehnsucht zu ihm geführt. Sie werden gestillt [p.511] wie Durstige, die von der Quelle des Lebens trinken. Und weil dieser Trank in Ewigkeit dauert und nicht in Vergangenheit übergeht, trinken die Seligen immer und werden immer gestillt und werden niemals zu Ende getrunken haben oder gestillt worden sein.== Einzelnachweise ==