Werk:De docta ignorantia/259
Benedictus Deus, qui nobis dedit intellectum, qui in tempore satiabilis non est; cuius desiderium cum finem non capiat, seipsum supra incorruptibile tempus immortalem apprehendit ex desiderio temporaliter insatiabili cognoscitque se vita desiderata intellectuali [1] satiari non posse nisi in fruitione optimi maximi boni numquam deficientis, ubi fruitio non transit in praeteritum, quia appetitus in fruitione non decrescit. Quasi, ut corporali exemplo utamur, si quis esuriens ad mensam magni regis sederet, ubi sibi de desiderato cibo ministraretur, ita quod alium non appeteret; cuius cibi natura foret, [2] quod satiando acueret appetitum. Si hic cibus numquam deficeret, manifestum est comedentem semper continue satiari et appetere continue eundem cibum et semper desideriose ferri ad cibum. Semper itaque hic capax esset cibi, cuius virtus esset cibatum continue in cibum inflammato desiderio ferri. Haec est igitur capacitas naturae [3] intellectualis, ut recipiendo in se vitam in ipsam convertatur secundum [4] suam naturam convertibilem, sicut aer recipiendo in se radium solis in lumen convertitur. Propter hoc intellectus, cum sit naturae convertibilis ad intelligibile, non intelligit nisi universalia et in corruptibilia et permanentia, quoniam veritas incorruptibilis est eius [5] obiectum, in quod intellectualiter fertur; quam quidem veritatem in aeternitate quieta pace in Christo Iesu apprehendit.
Gepriesen sei Gott, der uns einen Geist gegeben hat, der in der Zeit nicht stillbar ist, dessen Verlangen kein Ende findet und auf Grund dieses in der Zeit nicht stillbaren Verlangens sich als über die Zeit erhaben und unsterblich begreift, und der erkennt, daß er sich an dem erwünschten geistigen Leben nur im Genuß des besten, höchsten, nie abnehmenden Gutes sättigen kann, indem der Genuß nicht vergeht, weil das Verlangen nicht abnimmt.
Um ein sinnliches Beispiel zu gebrauchen. Ein Hungriger sitzt an der Tafel eines großen Königs: man reicht ihm von der begehrten Speise, so daß er keine andere verlangt; die Natur dieser Speise ist so, daß sie zugleich sättigt und das Verlangen anregt. Es ist klar, daß, falls diese Speise niemals fehlen würde, der Essende stets satt wäre und doch unaufhörlich dieselbe Speise erstrebte und danach verlangte, zu ihr zu gelangen. So wäre er stets fähig, diese Speise zu verzehren, deren Kraft darin bestünde, den Gesättigten in unaufhörlich brennendem Verlangen zur Speise zu drängen.
Eben demselben entspricht die Fähigkeit der geistigen Natur; sie nimmt das Leben in sich auf und wird entsprechend ihrer Wandlungsfähigkeit in dieses verwandelt, so wie sich die Luft, die den Strahl der Sonne aufnimmt, in Licht verwandelt. Deshalb sieht die Einsicht, welche fähig ist, sich zum Erkennbaren zu wandeln, nur das Allgemeine, Unvergängliche und Bleibende; die unvergängliche Wahrheit ist ihr Gegenstand, zu ihr wird sie auf geistige Weise gedrängt. Diese Wahrheit begreift sie im ruhigen Frieden der Ewigkeit in Jesus Christus.== Einzelnachweise ==