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Werk:De docta ignorantia/31

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Quando autem ex imagine inquisitio fit, necesse est nihil dubii apud imaginem esse, in cuius transsumptiva proportione incognitum investigatur, cum via ad incerta non nisi per praesupposita et certa esse [1] possit. Sunt autem omnia sensibilia in quadam continua instabilitate propter possibilitatem materialem in ipsis habundantem. Abstractiora autem istis, ubi de rebus consideratio habetur, – non ut appendiciis materialibus, sine quibus imaginari nequeunt, penitus careant neque penitus possibilita|ti fluctuanti subsint – firmissima videmus [2][3] atque nobis certissima, ut sunt ipsa mathematicalia. Quare in illis sapientes exempla indagandarum rerum per intellectum sollerter quaesiverunt, et nemo antiquorum, qui magnus habitus est, res difficiles alia similitudine quam mathematica aggressus est; ita ut [4] Boethius, ille Romanorum litteratissimus, assereret neminem divinorum scientiam, qui penitus in mathematicis exercitio careret, attingere posse.

Wenn eine Untersuchung vom Bild aus geschieht, ist es jedoch notwendig, daß beim Bild, in dessen übertragenem Verhältnisbezug das Unbekannte erforscht wird, kein Zweifel besteht, da der Weg zum Ungewissen nur durch das Vorausgesetzte und Gewisse möglich ist. Alles Sinnliche aber befindet sich wegen der in ihm überfließenden, stofflichen Möglichkeit in einer Art stetiger Unbeständigkeit.

Wo man über Dinge eine Betrachtung anstellt, sieht man, daß das Abstraktere – nicht als ob es des materiellen Anhanges, ohne den man es sich nicht vorstellen kann, völlig entbehrte oder der fließenden Möglichkeit vollkommen entzogen wäre – das bestimmteste und uns sicherste ist; dies sind die mathematischen Stücke. Geschickt versuchten daher die Weisen in jenen die Beispiele für die vom Intellekt zu erforschenden Dinge zu finden; und keiner der Alten, der als groß erfunden wurde, ging schwierige Probleme anders als durch mathematische Vergleiche an. So versichert der gelehrte Römer Boethius, daß jemand, der in der Mathematik völlig ungeübt sei, das Wissen vom Göttlichen nicht erreichen könne.

Einzelnachweise

  1. ↑ 22.20
  2. ↑ fol.5r
  3. ↑ [p.23]
  4. ↑ 23.5