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Werk:De docta ignorantia/51

aus AufEinWort, der freien Forschung

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[1] Ex hiis quidem potest se intellectus iuvare et in similitudine lineae infinitae ad maximum simpliciter super omnem intellectum in sacra ignorantia plurimum proficere. Nam hic nunc clare vidimus, quomodo Deum per remotionem participationis entium invenimus. [2] Omnia enim entia entitatem participant. Sublata igitur ab omnibus entibus participatione remanet ipsa simplicissima entitas, quae est essentia omnium. Et non conspicimus ipsam talem entitatem nisi in doctissima ignorantia, quoniam, cum omnia participantia entitatem ab animo removeo, nihil remanere videtur. Et propterea magnus [3] Dionysius dicit intellectum Dei magis accedere ad nihil quam ad aliquid. Sacra autem ignorantia me instruit hoc, quod intellectui nihil videtur, esse maximum incomprehensibile.

Auf Grund dessen kann sich nun der Geist helfen und, nach dem Beispiel der unendlichen Linie, zum schlechthin Größten über jedes Verständnis hinaus in heiliger Unwissenheit fortschreiten. Denn jetzt sehen wir hier deutlich, daß wir Gott nur finden, wenn wir die Teilhabe des Seienden entfernen. Alles Seiende nimmt an der Seiendheit teil. Sieht man also von dieser Teilhabe alles Seienden ab, so bleibt die einfache Seiendheit, die Wesenheit aller Dinge. Wir erfahren diese Seiendheit nur in der ganz zum Wissen erhobenen Unwissenheit, da, wenn ich alles an der Seiendheit Teilhabende von meinem Geiste entferne, nichts zu bleiben scheint. Deshalb sagt der große Dionysius, der Geist Gottes sei näher dem Nichts als dem Etwas. Die heilige Unwissenheit aber lehrt mich, daß das, was dem verstehenden Geist nichts zu sein scheint, das auf unbegreifbare Weise Größte ist.

Einzelnachweise

  1. ↑ [p.35]
  2. ↑ 35.5
  3. ↑ 35.10