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Werk:De docta ignorantia/52

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Capitulum XVIII.

Quomodo ex eodem manuducimur ad intellectum [1] participationis entitatis.

Amplius, non satiabilis noster intellectus cum maxima suavitate vigilanter per praemissa incitatus inquirit, quomodo hanc participationem unius maximi possit clarius intueri. Et iterum exemplo infinitae rectitudinis linealis se iuvans ait: [2] Non est possibile curvum, quod recipit magis et minus, esse maximum aut minimum; neque curvum ut curvum est aliquid, quoniam est casus a recto. Esse igitur, quod in curvo est, est ex participatione rectitudinis, cum maxime et minime curvum non sit nisi rectum. Quare, quanto curvum est minus curvum, ut est circumferentia [3] maioris circuli, tanto plus participat de rectitudine; non quod partem capiat, quia rectitudo infinita est impartibilis; sed linea recta finita quanto maior, tanto videtur plus participare de infinitate lineae infinitae [4] maximae. Et sicut finita recta in hoc quod recta – in quod quidem rectum curvitas minima resolvitur – secundum simpliciorem participationem participat infinitam, et curvum non ita simplicem et immediatam sed potius mediatam et distantem, quoniam per [5] medium rectitu|dinis quam participat: ita aliqua sunt entia immediatius [6] entitatem maximam in seipso subsistentem participantia, ut sunt simplices finitae substantiae, et sunt alia entia non per se, sed per medium substantiarum entitatem participantia, ut accidentia. Unde illa diversa participatione non obstante adhuc, ut ait Aristoteles, [7] rectum est sui et obliqui mensura; sicuti infinita linea lineae rectae et curvae, ita maximum omnium qualitercumque diversimode participantium. .

Kapitel XVIII.

In gleicher Weise werden wir zur Einsicht der Teilhabe an der Seiendheit geführt

Durch das bisher Gesagte angeregt, forscht unser unersättlicher Geist aufmerksam und voll Freude weiter danach, wie diese Teilhabe an dem Einen Größten klarer eingesehen werden könnte. Und indem er sich wiederum des Beispiels der unendlichen geraden Linie bedient, sagt er: Es ist nicht möglich, daß eine Krümmung, die größer oder geringer werden kann, das Größte oder Kleinste ist. Noch ist die Krümmung als Krümmung etwas, denn sie ist Abweichung vom Geraden:

Das Sein, das in der Krümmung liegt, stammt also aus der Teilhabe an der Geradheit, da die Krümmung, welche die größte oder kleinste ist, nichts als die gerade ist. Je weniger aber die Krümmung krumm ist, wie beim Umkreis des größeren Kreises, um so stärker hat sie an der Geradheit teil. Nicht daß sie einen Teil davon erlangte – denn die unendliche Geradheit ist unteilbar – sondern: je größer die gerade, endliche Linie ist, um so mehr scheint sie an der Unendlichkeit der größten, unendlichen Linie teilzuhaben. Und wie die endliche, gerade Linie darin, daß sie gerade ist – in dieses Gerade löst sich eben auch die kleinste Krümmung auf – an der unendlichen Linie gemäß einfacherer Teilhabe teilhat, aber nicht so sehr an der einfachen und unmittelbaren, als vielmehr an der mittelbaren und entfernten durch die Geradheit teilhat, so gibt es Seiende, wie es die einfachen, endlichen Substanzen sind, die an der größten Seiendheit, die in sich selbst Grundbestand hat, unmittelbarer teilhaben und solche, wie die Akzidentien, die nicht durch sich selbst, sondern vermittels der Substanzen an der Seiendheit teilhaben. Daher ist, wenn man die verschiedene Teilhabe nicht berücksichtigt, das Gerade, wie Aristoteles sagt, das Maß seiner selbst und des von ihm Abhängigen. Wie die unendliche Linie das Maß der geraden und gekrümmten Linie ist, so das Größte von allem das Maß dessen, was auf verschiedene Weise an ihm teilhat.

Einzelnachweise

  1. ↑ 35.15
  2. ↑ 35.20
  3. ↑ 35.25
  4. ↑ [p.36]
  5. ↑ 36.5
  6. ↑ fol.8r
  7. ↑ 36.10