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Werk:De docta ignorantia/57

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Hoc autem aliter possibile non est, quam ut per similitudi|nem [1] trianguli maximi attingibile est. Quare ipsum verum triangulum atque [2] simplicissimam lineam ex praehabitis scientes, modo quo hoc homini possibile est, in docta ignorantia Trinitatem attingemus. Nam videmus, quod non reperimus angulum unum et post alium et tertio adhuc alium, ut in triangulis finitis, quoniam alius et alius et alius in unitate trianguli absque compositione esse non possunt. Sed unum [3] absque numerali multiplicatione triniter est; quare recte quidem doctissimus Augustinus ait: «Dum incipis numerare Trinitatem, exis veritatem.» Oportet enim in divinis simplici conceptu, quantum hoc possibile est, complecti contradictoria, ipsa antecedenter praeveniendo; puta non oportet in divinis concipere distinctionem et indistinctionem [4] tamquam duo contradicentia, sed illa ut in principio suo simplicissimo antecedenter, ubi non est aliud distinctio quam indistinctio; et tunc clarius concipitur trinitas et unitas esse idem. Nam ubi distinctio est indistinctio, trinitas est unitas; et e converso, ubi [5] indistinctio est distinctio, unitas est trinitas. Et ita de pluralitate personarum et unitate essentiae; nam ubi pluralitas est unitas, trinitas personarum est idem cum unitate essentiae; et e converso, ubi unitas est pluralitas, unitas essentiae est trinitas in personis.

Das ist aber nicht anders möglich, als es im Beispiel des größten Dreiecks erreichbar ist. Darum wollen wir, die wir aus dem Vorhergehenden wissen, daß das wahre Dreieck auch die einfachste Linie ist, soweit dies dem Menschen möglich ist, in zum Wissen erhobener Unwissenheit die Dreifaltigkeit erreichen. Wir sehen, daß wir nicht den einen Winkel finden und danach den andern und an dritter Stelle wieder einen andern, wie in den endlichen Dreiecken, da der andere und der andere und der andere in der Einheit des Dreiecks nicht ohne Zusammensetzung sein können. Sondern ohne zahlenmäßige Vielfalt eines, ist es dreifach. Darum sagt mit Recht der gelehrte Augustinus: Wenn man die Dreieinigkeit zu zählen beginnt, verläßt man die Wahrheit.

Man muß nämlich im Göttlichen, soweit dies möglich ist, mit einem einfachen Gedanken das Entgegengesetzte umfassen, indem man ihm vorausgehend zuvorkommt. So darf man z. B. im Göttlichen Unterschiedenheit und Nichtunterschiedenheit nicht als Widersprüche auffassen, sondern muß dies zuvor in seinen einfachsten Ursprung, wo die Unterschiedenheit nichts anderes als Nichtunterschiedenheit ist, verstehen. Dann begreift man deutlicher, daß Dreiheit und Einheit dasselbe sind. Denn wo Unterschiedenheit Nichtunterschiedenheit ist, ist Dreiheit Einheit. Und umgekehrt: wo Nichtunterschiedenheit Unterschiedenheit ist, ist Einheit Dreiheit. Und so ist die Mehrzahl der Personen und die Einheit der Wesenheit zu verstehen: Wo die Vielheit Einheit ist, ist die Dreiheit der Personen dasselbe wie die Einheit der Wesenheit; und umgekehrt: wo die Einheit Vielheit ist, ist die Einheit der Wesenheit Dreiheit in den Personen.

Einzelnachweise

  1. ↑ fol.8v
  2. ↑ 38.15
  3. ↑ 38.20
  4. ↑ [p.39]
  5. ↑ 39.5