Werk:De docta ignorantia/58
Et ista clare in nostro exemplo videntur, ubi simplicissima linea [1] est triangulus et e converso simplex triangulus est unitas linealis. Hic etiam videtur, quomodo numerari anguli trianguli per unum, duo, tria non possunt, cum quilibet sit in quolibet, – ut ait Filius: «Ego in Patre et Pater in me.[2]» Iterum, veritas trianguli requirit tres angulos. Sunt igitur hic verissime tres anguli, et unusquisque maximus, [3] et omnes unum maximum. Requirit insuper veritas trianguli, quod unus angulus non sit alius; et ita hic requirit veritas unitatis simplicissimae essentiae, quod tres illi anguli non sint aliqua tria distincta, sed unum. Et hoc etiam verum est hic.
Coniunge igitur ista, quae videntur opposita, antecedenter, ut [4] praedixi; et non habebis unum et tria vel e converso, sed unitrinum seu triunum. Et ista est veritas absoluta.
Dies ersieht man deutlich aus unserem Beispiel, wo die einfachste Linie Dreieck ist und umgekehrt das einfache Dreieck linienhafte Einheit. Auch erkennt man, daß die Winkel des Dreiecks nicht mit eins, zwei, drei gezählt werden können, da jeder in jedem ist – wie der Sohn sagt: Ich im Vater und der Vater in mir.
Die Wahrheit des Dreiecks hinwieder fordert drei Winkel. Es gibt sonach hier in voller Wahrheit drei Winkel; jeder davon ist der größte und alle das Eine Größte. Diese Wahrheit des Dreiecks verlangt überdies, daß der eine Winkel nicht der andere sei. Und so erfordert hier die Wahrheit der Einheit der einfachsten Wesenheit, daß diese drei Winkel nicht drei unterschiedene, sondern Eines sind; und dies auch ist hier wahr. Verbinde also das, was entgegengesetzt scheint, auf vorgängige Weise, wie ich es gesagt habe, und du wirst nicht Eines und Drei haben oder umgekehrt, sondern ein Drei-Einfaches oder Ein-Dreifaches. Und das ist die absolute Wahrheit.