Werk:De docta ignorantia/61
Et iam patet, quare primo ex potentia lineae simplicis oritur triangulus simplex – quoad polygonias –, deinde circulus simplex, [1] deinde sphaera simplex, et non devenitur ad alias quam istas elementales figuras ad invicem in finitis improportionales, omnes figuras intra se complicantes. Unde, sicut si nos vellemus concipere mensuras omnium quantitatum mensurabilium: primo pro longitudine necesse esset habere lineam infinitam maximam, cum qua coincideret [2] minimum; deinde pariformiter pro latitudine rectilineali triangulum maximum; et pro latitudine circulari circulum maximum; et pro profunditate sphaeram maximam; et cum aliis quam cum istis quattuor omnia mensurabilia attingi non possent. Et quia istae omnes mensurae necessario essent infinitae et maximae, cum quo minimum [3] coincideret, et cum plura maxima esse non possint: hinc ipsum unicum maximum, quod esse debet omnium quantorum mensura, dicimus esse illa, sine quibus maxima mensura esse non posset, licet in se consideratum – absque respectu ad mensurabilia – nullum istorum sit aut dici possit veraciter, sed per infinitum et improportionabiliter [4] supra. Ita maximum simpliciter cum sit omnium mensura, ipsum illa esse dicimus, sine quibus ipsum omnium metrum posse esse non intelligimus. Unde maximum, licet sit super omnem trinitatem per infinitum, trinum dicimus, quia aliter ipsum rerum, quarum unitas essendi est trinitas – sicut in figuris unitas triangularis in trinitate [5] angulorum consistit –, causam simplicem, metrum et mensuram esse non intelligeremus; licet in veritate et nomen et conceptus noster trinitatis, semoto isto respectu, maximo nequaquam conveniat, sed per infinitum ab illa maxima et incomprehensibili veritate deficiat.
Deutlich ergibt sich aus der Möglichkeit der einfachen Linie zuerst das einfache Dreieck – und daraus die Vielecke –, dann der einfache Kreis, dann die einfache Kugel. Und man gelangt zu keinen andern Grundfiguren als zu diesen, die im Endlichen in keinem Bezugsverhältnis zueinander stehen und alle Figuren in sich einschließen.
Wenn wir daher die Maßeinheiten aller meßbaren Quantitäten begreifen wollen, müssen wir an erster Stelle für die Länge eine unendliche, größte Linie haben, mit der das Kleinste koinzidiert; dann brauchen wir gleicherweise für die gradlinige Breite das größte Dreieck, für die kreisförmige Breite den größten Kreis und für die Tiefe die größte Kugel. Mit anderen Maßen als diesen vier kann nichts Meßbares erreicht werden. All diese Maßeinheiten sind notwendig unendlich und die größten, mit denen das Kleinste koinzidiert. Da es nicht mehrere Größte geben kann, sagen wir, daß jenes einzige Maß, das jeder Ausdehnung Maß sein muß, jenes ist, ohne das das größte Maß nicht sein kann, wenn es auch in sich betrachtet, ohne Bezug auf das Meßbare, keines von dem ist oder wahrhaft genannt werden kann, sondern unendlich und ohne Verhältnisbezug darüber steht.
So sagen wir, daß das schlechthin Größte als Maß von allem dies selbst sei, ohne das wir nicht einsehen, daß es die Maßgabe aller Dinge sein kann. Daher nennen wir das Größte, auch wenn es über jeder Dreiheit unendlich erhaben ist, das Dreifache, da wir nicht einsehen können, daß es anders der einfachste Grund, Maßgabe und Maß der Dinge ist, deren Einheit des Seins die Dreiheit ist – wie in den Figuren die Einheit des Dreiecks in der Dreiheit der Winkel besteht. Aber in Wahrheit kommt sowohl unser Name als auch unser Begriff der Dreiheit – wenn man von dieser Beziehung absieht – dem Größten keineswegs zu, sondern weicht von jener größten und unbegreiflichen Wahrheit unendlich weit ab.