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Werk:De docta ignorantia/63

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Capitulum XXI.

Transsumptio circuli infiniti ad unitatem.

Habuimus de triangulo maximo pauca quaedam; similiter de infinito circulo subiungamus:

Circulus est figura perfecta unitatis et simplicitatis. Et iam ostensum [1] est superius triangulum esse circulum. Et ita trinitas est unitas.

Ista autem unitas est infinita, sicut circulus infinitus; quare est unior aut identior omni expressibili unitati atque per nos apprehensibili per infinitum. Nam tanta est ibi identitas, quod omnes etiam relativas oppositiones antecedit, quoniam ibi aliud et diversum identitati non [2] opponuntur. Quare est: cum maximum sit infinitae unitatis, tunc omnia, quae ei conveniunt, sunt ipsum absque diversitate et alietate, ut non sit alia bonitas eius et alia sapientia, sed idem. Omnis enim diversitas in ipso est identitas; unde eius potentia cum sit unissima, est et fortissima | et infinitissima. Tanta quidem est eius unissima duratio [3] [4] , quod praeteritum non est aliud a futuro et futurum non est aliud a praesenti in ea; sed sunt unissima duratio sive aeternitas sine principio et fine. Nam tantum est in ipso principium, quod et finis est in ipso principium.

Kapitel XXI.

Übertragung des unendlichen Kreises auf die Einheit

Wir haben einiges über das unendliche Dreieck dargelegt und möchten nun in ähnlicher Weise einiges über den unendlichen Kreis unterbreiten.

Der Kreis ist die vollkommene Figur der Einheit und Einfachheit. Oben wurde schon bewiesen, daß das Dreieck Kreis ist und so die Dreiheit Einheit. Diese Einheit aber ist unendlich wie der unendliche Kreis. Darum ist sie in größerem Maße eine und dieselbe als jede ausdrückbare und von uns begreifbare Einheit, und zwar unendlich mehr. Denn dort ist die Einheit so groß, daß sie allen, auch den relativen Gegensätzen vorausgeht, weil das Andere und Verschiedene der Selbigkeit nicht entgegengesetzt wird.

Daher gilt: Da das Größte von unendlicher Einheit ist, ist alles, was ihm zukommt, ohne Verschiedenheit und Andersheit, es selbst; so ist seine Güte keine andere, seine Weisheit keine andere, sondern das Selbe. Alle Verschiedenheit ist in ihm Selbigkeit; daher ist seine Mächtigkeit als die geeinteste auch die größte und unendlichste. So groß ist seine geeinte Dauer, daß das Vergangene in ihr nichts anderes ist als das Zukünftige und das Zukünftige nichts anderes als das Gegenwärtige. Sie sind vielmehr die geeinte Dauer oder die Ewigkeit ohne Anfang und Ende, denn in ihr ist der Ursprung so groß, daß auch das Ende in ihr Ursprung ist.

Einzelnachweise

  1. ↑ 42.10
  2. ↑ 42.15
  3. ↑ fol.9v
  4. ↑ 42.20