Werk:De docta ignorantia/76
Non est autem unitas nomen Dei eo modo, quo nos aut nominamus aut intelligimus unitatem, quoniam, sicut supergreditur Deus [1] omnem intellectum, ita a fortiori omne nomen. Nomina quidem per motum rationis, qui intellectu multo inferior est, ad rerum discretionem imponuntur. Quoniam autem ratio contradictoria transilire nequit, hinc non est nomen, cui aliud non opponatur secundum motum rationis; quare unitati pluralitas aut multitudo secundum rationis [2] motum opponitur. Hinc unitas Deo non convenit, sed unitas, cui non opponitur aut alteritas aut pluralitas aut multitudo. Hoc est nomen maximum omnia in sua simplicitate unitatis complicans, istud est nomen ineffabile et super omnem intellectum.
Aber nicht so, wie wir Einheit nennen oder verstehen, ist der Name Gottes die Einheit; wie Gott jede Einsicht übersteigt, tut dies um so mehr auch der Name. Durch die Bewegung des Verstandes nämlich, der um vieles geringer ist als der Geist, werden die Namen zur Unterscheidung der Dinge eingeführt. Da aber der Verstand die Gegensätze nicht überwinden kann, gibt es keinen Namen, dem nicht, der Bewegung des Verstandes entsprechend, ein anderer entgegengesetzt wäre. Gemäß dieser Bewegung wird darum der Einheit die Mehrheit oder Vielheit entgegengesetzt. Gott aber kommt nicht diese, sondern jene Einheit zu, der weder Andersheit noch Mehrheit, noch Vielheit entgegengesetzt wird. Das ist der größte Name, der alles in der Einfachheit der Einheit einfaltet. Es ist der unaussprechliche Name, jenseits allen Verstehens.