Werk:De docta ignorantia/83
Capitulum XXV.
Gentiles Deum varie nominabant creaturarum respectu.
Pagani pariformiter Deum variis creaturarum respectibus nominabant: Iovem quidem propter mirabilem pietatem (ait enim Iulius [2] Firmicus, quod Iupiter adeo prosperum sidus sit, quod, si solus in caelo Iupiter regnasset, homines essent immortales); ita Saturnum propter profunditatem cogitationum et inventionum in rebus vitae necessariis; Martem propter victorias bellicas; Mercurium propter consiliarem prudentiam; Venerem propter amorem conservativum [3] naturae; Solem propter vigorem motuum naturalium; Lunam propter humoralem conservationem, in qua vita consistit; Cupidinem propter unitatem duplicis sexus, ob quam rem etiam Naturam ipsum vocarunt, quoniam per duplicem sexum species rerum conservat.
Hermes ait omnia tam animalia quam non-animalia duplicis sexus; [4] propterea causam omnium – scilicet Deum – in se masculinum et femininum sexum dixit complicare, cuius Cupidinem et Venerem explicationem credebat. Valerius etiam Romanus idem affirmans canebat Iovem omnipotentem genitorem genitricemque Deum. Unde dicebant Cupidinem, prout scilicet una res cupit aliam, filiam Veneris, [5] hoc est ipsius pulchritudinis naturalis; Venerem vero Iovis aiebant omnipotentis filiam, a quo Natura et cuncta ipsam concomitantia.
Kapitel XXV.
Die Heiden nannten Gott in Hinblick auf die Geschöpfe in verschiedener Weise
Ähnlich benannten die Heiden Gott nach den verschiedenen Beziehungen zu den Geschöpfen. Sie nannten ihn Jupiter wegen der wunderbaren Güte (es sagt nämlich Julius Firmicus, Jupiter sei ein so günstiger Stern, daß, wenn er allein im Himmel regierte, die Menschen unsterblich wären); Saturn nannten sie ihn wegen der Tiefe der Erkenntnis und der Erfindungen der für das Leben notwendigen Dinge; Mars wegen siegreicher Schlachten, Merkur wegen der Ratsklugheit, Venus wegen der erhaltenden Liebe der Natur, Sonne wegen der Kraft der Naturbewegungen, Mond, weil er durch die Feuchtigkeit das Leben erhält; Cupido nannten sie ihn wegen der Einheit beider Geschlechter. Aus diesem Grunde hießen sie ihn auch Natur, da er durch das zweifache Geschlecht die Eigengestalt der Dinge bewahrt.
Hermes sagt, sowohl Lebendiges als auch Nicht-Lebendiges sei doppelten Geschlechtes. Darum war er der Meinung, daß der Grund von allem, Gott, in sich das männliche und weibliche Geschlecht enthalte; für dessen Entfaltung hielt er Cupido und Venus. Der Römer Valerius behauptet dasselbe und besang Jupiter als den allmächtigen, zeugenden und gebärenden Gott. Daher nannte man Cupido – gleichsam ein Ding, welches ein anderes wünscht – die Tochter der Venus, d. h. der natürlichen Schönheit. Von Venus aber sagte man, sie sei die Tochter des allmächtigen Jupiters, von dem die Natur und alles mit ihr Zusammenhängende stamme.== Einzelnachweise ==