Werk:De docta ignorantia/95
[1] Adhuc, ex eodem fundamento elicientes dicamus: Quoniam in oppositis excedens et excessum reperimus, ut in simplici et composito, abstracto et concreto, formali et materiali, corruptibili et incorruptibili et ceteris: hinc ad alterum purum oppositorum non devenitur, aut in quo concurrant praecise aequaliter. Omnia igitur ex [2] oppositis sunt in gradus diversitate, habendo de uno plus, de alio minus, sortiendo naturam unius oppositorum per victoriam unius supra aliud. Ex quo rerum notitia rationabiliter investigatur, ut sciamus, quomodo compositio in uno est in quadam simplicitate et in alio simplicitas in compositione, et corruptibilitas in incorruptibilitate [3] in uno, contrarium in alio, – ita de reliquis, prout extendemus in libro Coniecturarum, ubi de hoc latius agetur. Sufficiant ista pauca pro mirabili potestate doctae ignorantiae ostendenda.
Ferner können wir von derselben Grundlage ausgehend sagen: Da wir im Gegensätzlichen, ebenso wie im Einfachen und Zusammengesetzten, Abstrakten und Konkreten, Formalen und Materialen, im Vergänglichen und Unvergänglichen usw., Hervorgehendes und Hervorgegangens finden, gelangt man in den Gegensätzen weder zu einem gänzlich Anderen, noch zu etwas, in dem sie in genau gleicher Weise zusammenlaufen. Alles aus Gegensätzlichem Bestehende hat in verschiedenen Abstufungen an dem einen mehr, am andern weniger Anteil, und zwar dadurch, daß es durch den Sieg über einen Gegensatz die Natur des andern erlangt. Aus diesem Grund wird der Begriff der Dinge auf der Ebene des Verstandes erforscht, da wir wissen, daß in dem einen die Zusammensetzung in Einfachheit und im andern die Einfachheit in Zusammensetzung vorhanden ist; im einen die Vergänglichkeit in Unvergänglichkeit, das Gegenteil im andern usw. Im Buch «De coniecturis» werden wir dies darlegen und ausführlicher behandeln. Hier mag dieses wenige genügen, um die wunderbare Macht der wissenden Unwissenheit zu zeigen.== Einzelnachweise ==