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Werk:De docta ignorantia/96

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Amplius, magis ad propositum descendendo dico: Quoniam ascensus ad maximum et descensus ad minimum simpliciter non est [1] possibilis, ne fiat transitus in infinitum, ut in numero et divisione continui constat, tunc patet, quod dato quocumque finito semper est maius et minus sive in quantitate aut virtute vel perfectione et ceteris [2] necessario dabile – cum maximum aut minimum simpliciter dabile in rebus non sit –, nec processus fit in infinitum, ut statim ostensum est. Nam cum quaelibet pars infiniti sit infinita, implicat contradictionem magis et minus ibi reperiri, ubi ad infinitum deveniretur, [3] cum magis et minus, sicut nec infinito convenire possunt, ita nec qualemcumque proportionem ad infinitum habenti, cum necessario ipsum etiam infinitum sit. Binarius enim non esset minor centenario in numero infinito, si per ascensum ad ipsum possit actu deveniri, sicut nec linea infinita ex infinitis bipedalibus esset minor linea [4] infinita ex infinitis quadrupedalibus lineis. Nihil est itaque dabile, quod divinam terminet potentiam; quare omni dato dabile est maius et minus per ipsam, nisi datum simul esset absolutum maximum, ut in tertio libello deducetur.

Indem ich mehr auf das Vorausgesetzte eingehe, sage ich weiterhin: der Aufstieg zum Größten und der Abstieg zum Kleinsten ist, damit kein Übergang ins Unendliche zustande kommt, schlechthin nicht möglich, wie es bei der Zahl und bei der Teilung des Kontinuum der Fall ist. Daraus folgt, daß es für jedes gegebene Endliche sowohl in der Quantität als auch in der Mächtigkeit als auch in der Vollkommenheit und allem übrigen notwendig ein Größeres oder Kleineres gibt. Da das Größte oder Kleinste schlechthin in den Dingen aber nicht gegeben werden kann, gibt es keinen Fortgang ins Unendliche, wie soeben gezeigt wurde.

Denn da jeder Teil des Unendlichen unendlich ist, wäre es ein Widerspruch, dort, wo man zum Unendlichen gelangt, mehr und weniger zu finden. Mehr und weniger können dem Unendlichen nicht zukommen und so zu ihm auch keinerlei Verhältnisbezug haben; dieser müßte nämlich selbst das Unendliche sein. In der unendlichen Zahl wäre, wenn man durch Aufstieg zu ihr in Wirklichkeit gelangen könnte, zwei nicht kleiner als hundert, sowie auch die aus unendlichen Zweifußlängen bestehende, unendliche Linie nicht kleiner ist als diejenige, die aus unendlichen Vierfußlängen besteht. Es gibt also nichts, das die göttliche Macht begrenzt, durch welche zu jedem Gegebenen ein Größeres und Kleineres gegeben werden kann; außer es handelt sich bei dem Gegebenen zugleich um das absolut Größte, wie es im dritten Buch abgeleitet werden wird.== Einzelnachweise ==

  1. ↑ 63.25
  2. ↑ [p.64]
  3. ↑ 64.5
  4. ↑ 64.10