Werk:De ven. sap./10
10▶Hanc artem inventor magister oboedienti tradit discipulo et mandat, ut secundum omnes sibi praepositos modos syllogizet. Sic forte se aliqualiter habet mundi artificium. Nam eius magister, gloriosus deus, volens constituere mundum pulchrum, posse fieri [1] ipsius et in ipso complicite omnia ad illius mundi constitutionem creavit necessaria. Requirebat autem pulchritudo mundi tam illa quae essent quam quae et viverent atque etiam quae et intelligerent, atque etiam quod horum trium variae essent species seu modi pulchritudinis, quae sunt divinae mentis practicae praedeterminatae [2] rationes et utiles pulchrae combinationes ad mundi constitutionem opportunae.
Hoc divinum opificium deus oboedienti | scilicet naturae ipsi posse fieri [3] concreatae tradidit, ut posse fieri mundi secundum iam dictas praedeterminatas divini intellectus rationes explicaret, puta posse fieri [4] hominis secundum rationem hominis praedeterminatam explicaret. Et ita de cunctis, sicut syllogizans ad praedeterminatas rationes, quae Barbara Celarent nominantur, syllogizando respicit
Übs. Sg.
Diese Kunst überliefert ihr Erfinder, der Meister, dem gelehrigen Schüler und mahnt ihn, nach allen ihm vorgelegten Arten Schlüsse zu bilden.
So ungefähr verhält es sich vielleicht mit dem Kunstwerk der Welt. Denn als ihr Meister, der glorreiche Gott, die schöne Welt gestalten wollte, da schuf er ihr Werden-Können und eingefaltet darin alles zur Gestaltung jener Welt Notwendige. Die Schönheit der Welt aber erforderte sowohl die seienden Dinge wie die lebenden und denkenden Wesen und auch die Vielfalt von Arten als Ausgestaltungen der Schönheit in diesen drei Gattungen. Sie sind des göttlichen Geistes, der auf Verwirklichung drängt, vorbestimmte Gedanken und schöne, zweckdienliche Verbindungen, die zur Gestaltung der Welt förderlich sind.
Dieses göttliche Kunstwerk hat Gott einem gelehrigen Schüler, nämlich der Natur, übergeben, die mit dem Werden-Können zugleich geschaffen wurde. Sie sollte das Werden-Können der Welt nach den erwähnten vorbestimmten Gedanken der göttlichen Vernunft entfalten, zum Beispiel das Werden-Können des Menschen nach dem vorbestimmten Begriff des Menschen. Ebenso verhält es sich mit allen Dingen, wie der Schließende beim Schlußverfahren auf die vorbestimmten Begriffsverbindungen zurückblickt, die man Barbara und Celarent heißt.
Übs. Dp.
Der Meister, der sie gefunden hat, übermittelt diese Kunst dem aufmerksam hörenden Schüler und befiehlt ihm, allen ihm vorgelegten Arten gemäß Schlüsse zu ziehen. Ebenso verhält sich auch vielleicht irgendwie das Kunstwerk der Welt. Denn als ihr Meister, der glorreiche Gott, die schöne Welt ins Dasein rufen wollte, schuf er ihr Werden-Können, und in diesem eingeschlossen alles, was zum Aufbau dieser Welt notwendig war. Die Schönheit der Welt forderte aber sowohl das Seiende als auch das Lebende und auch das Verstehende und auch, daß diese drei verschiedene Eigengestalten oder Arten der Schönheit hätten, welche die wirkenden, vorherbestimmten Wesensgründe des göttlichen Geistes und die brauchbaren und schönen Verbindungen sind, die sich zum Aufbau der Welt eignen.
Dieses göttliche Kunstwerk übergab Gott der aufmerksam gehorchenden Natur, die mit dem Werden-Können zusammen geschaffen war, damit sie entsprechend den genannten vorherbestimmten Wesensgründen des göttlichen Geistes das Werden-Können der Welt entfalte. So entfaltet sie z. B. das Werden-Können des Menschen entsprechend dem vorbestimmten Wesensgrund des Menschen.
Und so wie der Schlußfolgernde sich beim Schlußfolgern an die vorgegebenen Wesensgründe, die Barbara und Celarent heißen, hält, verhält es sich mit allem.