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Werk:De ven. sap./11

aus AufEinWort, der freien Forschung

11▶Videtur autem naturam imitari geometer, dum circulum figurat. Nam ad praedeterminatam circuli respicit rationem, secundum quam [1] studet operari, quantum hoc posse fieri sensibilis subiecti permittit; unum enim aptius est alio. Nec aliud est haec ratio quam aequedistantia centri circuli a circumferentia, quae est vera circuli ratio seu causa, non recipiens magis nec minus. Sed nullus sensibilis circulus adeo perfecte fieri potest, quod rationem illam praecise [2] attingat. Nam posse fieri sensibilis circulus est post illam intelligibilem  rationem fixam et stabilem, quam ut imago veritatem sequitur et imitatur posse fieri circulum in sensibili materia. Quae cum sit variabilis, nequaquam erit circulus, qui describitur, omne id quod sensibilis circulus fieri potest, cum omni sensibili dato possit fieri [3] verior et perfectior et dicto intelligibili similior.

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Übs. Sg.

Wenn der Geometer einen Kreis zeichnet, so scheint er die Natur nachzuahmen. Im Blick auf den vorgegebenen Begriff des Kreises bemüht er sich auszuführen, was eben das Werden-Können eines Sinnendinges zuläßt. Die Gegenstände aber sind in verschiedenem Maße dazu geeignet. Dieser Begriff ist nichts anderes als der gleiche Abstand des Kreismittelpunktes vom Umfang. Das ist der wahre Begriff oder die Ursache des Kreises. Bei ihm gibt es kein Mehr oder Weniger. Doch kein empirischer Kreis läßt sich so vollkommen ausführen, daß er eine genaue Erfüllung jenes Begriffs wäre. Denn das Werden-Können eines empirischen Kreises ist jenem festumschriebenen und unwandelbaren Begriff, den die Vernunft denkt, nachgeordnet. Das Werden-Können eines Kreises in sinnenfälliger Materie folgt diesem Begriff und ahmt ihn nach wie das Abbild dem Urbild. Bei der Wandelbarkeit der Materie wird ein gezeichneter Kreis niemals die Fülle dessen sein, was ein empirischer Kreis werden kann, denn gegenüber jedem gegebenen empirischen Kreis ist eine wahrere, vollkommenere und dem erwähnten geistigen Kreis ähnlichere Ausführung möglich.

Übs. Dp.

Wenn der Geometer einen Kreis zieht, ahmt er die Natur nach; er blickt auf den vorgegebenen Wesenssinn des Kreises, dem er sich in seinen Durchführungen soweit zu entsprechen bemüht, als es das Werden-Können des sichtbaren Gegenstandes erlaubt, denn der eine ist dazu besser geeignet als der andere. Jener Wesenssinn ist nichts anderes als der gleichbleibende Abstand zwischen Mittelpunkt und Kreisumfang; das ist der wahre Bestimmungs- oder Wesensgrund des Kreises, der weder mehr noch weniger aufnimmt.

Aber kein wahrnehmbarer Kreis kann so vollkommen werden, daß er jenen Bestimmungsgrund genau erreicht. Denn das Werden-Können eines sichtbaren Kreises ist jenem festbestimmten geistigen Wesenssinn nachgestellt, dem es wie das Abbild der Wahrheit folgt. Es ahmt das Kreis-Werden-Können in der sichtbaren Materie nach. Da diese veränderlich ist, wird ein Kreis, der gezogen wird, niemals alles das sein, was ein sichtbarer Kreis werden kann, da er wahrer und vollkommener und jenem geistigen Kreis ähnlicher werden kann, als jeder sichtbar gegebene Kreis.

  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10
  3. ↑ Z.15