Werk:De ven. sap./120
120▷Ante autem hunc sensibilem ignem est motus et lux. Nam per motum ignibile ignitur, et lux ipsum concomitatur. Sic et de lucido sicut de calido, et de luce sicut de igne; et quod nec sol nec aliquod sensibile sit lux, quae causa lucidorum, sed ipsa omnia sint lucida [1] et non ipsa lux. Sic etiam de frigido, humido et cunctis, quae secundum magis et minus participantur.
Omnis enim multitudinis unitas est principium, ut Proclus dicit, et omnium talium maxime tale, ut vult Aristoteles, et cunctorum per participationem talium per se tale, et omnium per [2] se talium per se simplex, uti Platonici, et omnium, quae per se cum addito, per se sine addito causa est. Et hoc per se est causa causarum omnium et singularum, ut illud supra varie ob varias participantium diversitates omnium principium nominatur, licet omne nominabile antecedat. [3]
Illa dicta sunt Platonicorum et Peripateticorum, quae oportet sane intelligi quoad principium et causam. Nam non est nisi unum causale principium, quod possest nomino, ad quod omne posse fieri determinatur; licet primum in ordine vocetur etiam aliorum principium, quae ipsum sequuntur, et vocetur maxime tale, cuius [4] participatione alia talia sunt, tamen non maxime simpliciter, sed maxime tale.
Übs. Sg.
Doch vor diesem sinnenfälligen Feuer ist die Bewegung und das Licht. Denn durch die Bewegung wird das Entflammbare entflammt, und diese Bewegung begleitet ein Lichtschein. Vom Leuchtenden gilt demnach das gleiche wie vom Warmen und vom Licht dasselbe wie vom Feuer; ebenso gilt, daß nicht die Sonne noch irgend etwas sinnlich Wahrnehmbares das Licht ist, welches die Ursache der leuchtenden Dinge ist, vielmehr sind sie alle leuchtend und nicht das Licht selbst. Das gleiche gilt vom Kalten, Feuchten und von allem, an denen eine Teilhabe in größerem oder geringerem Grade stattfindet.
Der Ursprung jeder Vielheit nämlich ist die Einheit – wie Proklus sagt[5] – und der Ursprung aller so-beschaffenen Dinge das in höchstem Grade So-Beschaffene – wie Aristoteles behauptet[6] -, und für alle durch Teilhabe so-beschaffenen Dinge ist das an sich So-Beschaffene Ursprung, und für alle an sich so-beschaffenen Gegenstände das an sich Einfache wie die Platoniker sagen[7] – und für alle, die an sich mit Beifügung sind, ist das an sich ohne Beifügung Ursache. Dieses An-Sich ist Ursache der Ursachen insgesamt und je einzeln, wie jenem Ursprung vor allen Dingen überaus mannigfache Benennungen beigelegt werden infolge der mannigfachen Unterschiede aller an ihm teilha- benden Dinge, obgleich es selbst allem Benennbaren vorangeht.
Das sind Außerungen der Platoniker und Peripatetiker, die man in ihrer Bedeutung für den Ursprung und die Ursache richtig verstehen muß. Denn es gibt nur einen einzigen ursächlichen Ursprung, den ich als Können-Sein bezeichne. Auf ihn ist ales Werden-Können hingeordnet. Zwar heißt auch das Erste in jeder Ordnung Ursprung der anderen Dinge, die ihm nachtolgen. Es mag sogar als am meisten So- Beschaffenes bezeichnet werden, durch dessen Teilhabe die anderen Dinge ihre So-Beschaffenheit haben. Indes ist es nicht das schlechthin Ausgezeichnete, sondern nur das in besonderer Weise So-Beschaffene.
Übs. Dp.
Vor diesem sinnlich sichtbaren Feuer aber kommt die Bewegung und das Licht, denn durch die Bewegung wird das Brennbare in Brand gesetzt und das Licht begleitet es. Dasselbe gilt ebenso wie vom Warmen vom Lichten, vom Licht wie vom Feuer. Weder die Sonne noch sonst etwas Sinnliches ist das Licht, das der Grund des Lichthaften ist. Diese alle sind zwar lichthaft, aber nicht das Licht selbst. Ebenso verhält es sich mit dem Kalten, dem Nassen und jedem, das nach der Beziehung von mehr oder weniger an etwas Anteil hat.
Die Einheit einer jeden Vielheit ist der Ursprung, wie Proklos sagt, und von allen Solchen das am meisten Solche, wie es Aristoteles meint, und von allen durch Teilhabe Solchen das durch sich Solche und von allen durch sich Solchen das durch sich Einfache, wie die Platoniker meinen; und das durch sich ohne Beigabe Seiende ist der Grund von allem, das durch sich mit Beigabe ist. Und jenes Durch-Sich ist, wie das obige, der Grund aller Gründe und jedes Einzelnen, der wegen der unterschiedlichen Verschiedenheiten der Teilhabenden in verschiedener Weise das Prinzip von allem genannt wird, wenn es auch jedem Nennbaren vorausgeht. Das sind die Aussprüche der Platoniker und Peripatetiker, die man in Hinblick auf Ursprung und Grund richtig verstehen muß.
Denn es gibt nur einen begründenden Ursprung, den ich Können-Ist nenne, und auf den hin jedes Werden-Können beschlossen und zielgerichtet ist, wenngleich das erste in der Reihenfolge als Ursprung der anderen, die ihm folgen, bezeichnet wird, und zwar als das am meisten Solche, was die andern auf Grund der Teilhabe an ihm sind. Es wird jedoch nicht das schlechthin, sondern nur das am meisten Solche genannt.