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Werk:De ven. sap./31

aus AufEinWort, der freien Forschung

31▷[1]Refert Eusebius Pamphili Indum Athenas adventasse, quem Socrates convenit, an deo ignorato sciri aliquid posset.

Qui admirans quaestionem respondit, quomodo hoc fieret? Non enim voluit Indus nihil sciri, sed nec deum penitus ignorari. Omnia enim, quia sunt, et deum, quia est, attestantur. Immo potius, quia deus est, omnia[2] sunt. Scilicet quia omne, quod scitur, melius perfectiusque sciri potest, nihil, uti scibile est, scitur. Hinc sicut ‘quia est’ dei est causa scientiae omnium, quia sunt, ita, quia deus quid sit, uti scibilis est, ignoratur, quiditas etiam omnium, uti scibilis est, ignoratur.  Quam ait Aristoteles semper quaesitam; quemadmodum et[3] ipse eam in prima quaerit philosophia, sed non invenit.

Visum est Proclo, quomodo quid sit id quod est principaliter, omnium repertu difficillimum, non esse aliud quam unum plura: unum in essentia, plura in potentia. Sed per hoc non scitur, quid unum plura exsistat; de quo infra latius. Fieri enim non potest[4] quod id sciatur, quod posse fieri antecedit. Deus igitur cum praecedat, non potest fieri comprehensibilis. Et cum quid sit posse fieri non sit comprehensibile, sicut nec eius causa ipsum praecedens, nullius quiditas causis ignoratis, uti scibilis est, actu comprehenditur.

◀△▷

Übs. Sg.

Beim Betreten des ersten Feldes bemerke ich, daß der Unbegreifliche unbegreiflicherweise erfaßt wird.

Eusebius Pamphili (von Caesarea) berichtet,[5] daß ein Inder nach Athen gekommen sei. Ihn traf Sokrates und stellte die Frage, ob man in Unkenntnis Gottes irgend etwas wissen könne. Voll Staunen über die Frage erwiderte dieser, wie das geschehen könne. Der Inder wollte nämlich kein absolutes Nicht-Wissen, aber auch keine völlige Unkenntnis Gottes zugeben. Durch ihr Sein bezeugen ja ale Dinge auch das Sein Gottes, oder besser: dank der Existenz Gottes existiert alles. Da indes jedes Wissen besser und vollkommener sein könnte, so haben wir von keinem Gegenstand ein vollkommenes Wissen. Daraus folgt: wie das Dasein Gottes die Ursache für das Wissen vom Dasein aller Gegenstände ist, so ist der Umstand, daß das Wesen Gottes nicht in der Tiefe seiner Erkennbarkeit bekannt ist, der Grund dafür, daß auch das Wesen aller Dinge nicht in der Tiefe seiner Erkennbarkeit erkannt wird. Das Wesen bezeichnet Aristoteles[6] als stets gesucht, wie auch er selbst in der ersten Philosophie nach ihm sucht, ohne es zu finden.

Proklus[7] nahm an, daß das Wesen des ursprunghaften Seins, die schwerste aller Entdeckungen, nichts anderes als eine Einheit in Mehrheit sei: eins im Wesen und vieles der Möglichkeit nach. Aber damit weiß man noch nicht, was das Eine in Mehrheit ist. Darüber später mehr. Man kann eben das nicht wissen, was dem Werden-Können voraufgeht. Da nun Gott vorhergeht, kann er nicht begrifflich faßbar werden. Und da auch das Wesen des Werden-Könnens nicht faßbar ist, ebensowenig wie seine ihm voraufgehende Ursache, so wird die Wesenheit keines einzigen Gegenstandes infolge der Unerkennbarkeit ihrer Ursachen wirklich in ihrer vollen Erkennbarkeit erfaßt.

Übs. Dp.

Wenn ich das erste Feld betrete, richte ich meine Aufmerksamkeit darauf, wie der Unbegreifbare unbegreiflicherweise begriffen wird.

Eusebius, der Schüler des Pamphilus, berichtet, daß ein Inder nach Athen gekommen sei. Mit diesem kam Sokrates zusammen und fragte ihn, ob man irgend etwas wissen könne, wenn man Gott nicht kennt. Dieser wunderte sich über die Frage und erwiderte, wie dies möglich sei? Denn der Inder wollte weder nichts wissen noch auch über Gott in völliger Unkenntnis sein. Denn dadurch, daß es ist, bezeugt alles, daß auch Gott ist, oder vielmehr: weil Gott ist, ist alles.

Weil alles, was gewußt wird, besser und vollkommener gewußt werden kann, wird nichts so, wie es wißbar ist, gewußt. Wie daher das «Weil-Ist» Gottes der Grund des Wissens von dem «Weil-Sind» aller Dinge ist, so wird das «Weil-Gott» in dem was es ist, nicht wie es wißbar ist, gewußt. Ebenso wird die Washeit aller Dinge nicht so gewußt, wie sie wißbar ist. Von ihr sagt Aristoteles, daß sie immer gesucht wird so wie auch er selbst in der «Ersten Philosophie» nach ihr fragt, sie aber nicht findet.[p.53] Proklos glaubte, daß dasjenige, was der Ursprung von allem und am schwersten zu finden ist, nichts anderes sei als das Eine Viele, das Eine im Wesen und das Viele in der Möglichkeit. Doch weiß man dadurch nicht, was das Eine Viele ausmacht. Darüber im folgenden mehr.

Es ist unmöglich, das zu wissen, was dem Werden-Können vorangeht. Gott also kann, da er ihm vorangeht, nicht begreiflich werden, und weil nicht begreifbar ist, was das Werden-Können ist, so ist es auch dessen ihm vorangehender Grund nicht, denn keiner Sache Wesen wird wirklich so begriffen, wie es wißbar ist, wenn man ihre Gründe nicht kennt.

  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10
  3. ↑ Z.15
  4. ↑ Z.20
  5. ↑
  6. ↑
  7. ↑