Werk:De ven. sap./8
8▶Et cum non sit factum et tamen initiatum, ipsum dicimus creatum, cum nihil praesupponat ex quo sit, dempto eius creatore. Omnia igitur quae post ipsum sunt, a creatore de ipso posse fieri producta sunt. Quae autem facta sunt id quod fieri possunt, haec caelestia et [1] intelligibilia nominantur. Quae autem sunt, sed non id quod fieri possunt, numquam fixa sunt et deficiunt. Imitantur igitur perpetua et non attingent umquam illa. Temporalia igitur sunt et terrena sensibiliaque vocantur.
Cum igitur me converto ad contemplandum aeternum, video [2] ipsum actum simpliciter et in ipso mente intueor omnia ut in causa absoluta complicite. Cum in aevum et perpetuum intueor, intellectualiter video ipsum posse fieri et in ipso naturam omnium et singulorum, ut secundum perfectam explicationem praedestinationis divinae mentis fieri debent. Cum in tempus intueor, omnia [3] in successione explicari perfectionem perpetuorum imitando sensibiliter comprehendo. Imitantur enim sensibilia ipsa intelligibilia. Quare in posse fieri creato omnia creata sunt praedeterminata, ut hic mundus pulcher, uti est, fieret. De quo infra plenius.
Quomodo autem hoc concipi possit, aliquale exemplum licet [4] remotum subiungam.
Übs. Sg.
Und da es nicht geworden ist und doch einen Anfang hat, so nennen wir es geschaffen, weil es außer seinem Schöpfer nichts voraussetzt, aus dem es sein könnte. Alles also, was nach ihm ist, ist vom Schöpfer aus dem Werden-Können hervorgebracht. Die Dinge jedoch, die das Vollmaß ihres Werden-Könnens erreichten, bezeichnet man als himmlische und intelligible Gegenstände. Was aber zwar Dasein hat, ohne jedoch sein Werden-Können auszuschöpfen, das beharrt niemals im Sein und ist dem Vergehen unterworfen. Es ist demnach zwar ein Abbild des Ewigen, ohne es jedoch je zu erreichen. Deshalb sind diese Dinge zeitlicher Natur und werden als irdische und sinnenfällige Gegenstände bezeichnet.
Wende ich mich nun der Betrachtung des Ewigen zu, so schaue ich es als reinen Akt, und mein Geist erblickt in ihm alles als eingefaltet in der absoluten Ursache. Blicke ich auf das Ewige und Immerwährende, so schaue ich geistigerweise das Werden-Können selbst und in ihm die Natur aller Dinge und jedes einzelnen, wie sie gemäß der vollkommenen Entfaltung der Vorherbestimmung des göttlichen Geistes werden sollen. Blicke ich auf die Zeit, so begreife ich sinnenfällig, daß alles in zeitlicher Folge sich entfaltet in Nachahmung der Vollkommenheit der unvergänglichen Dinge. Die sinnenfälligen Gegenstände sind ja Nachahmungen der intelligiblen Gegenstände. Im geschaffenen Werden-Können sind demgemäß alle Geschöpfe im voraus angelegt, um so diese schöne Welt entstehen zulassen, wie sie ist. Doch darüber später mehr.
Wie aber solches dem Begreifen nahegebracht werden kann, dafür möchte ich ein wenn auch unzulängliches Beispiel anfügen.
Übs. Dp.
Weil es nicht geworden ist und dennoch begonnen hat, nennen wir es geschaffen, denn es setzt außer seinem Schöpfer nichts voraus, aus dem es ist. Alles nämlich, das nach ihm ist, ist vom Schöpfer aus dem Werden-Können hervorgebracht.
Das aber, welches geworden ist, was es werden kann, wird das Himmlische und Geistige genannt; das hingegen, was ist, jedoch nicht das ist, was es werden kann, ist niemals fest und vergeht. Es ahmt das Immerwährende nach, erreicht es aber niemals; es ist das Zeitliche und wird Irdisches und Sinnliches genannt.
Wenn ich mich daher zur Betrachtung des Ewigen wende, sehe ich es als Wirklichkeit schlechthin, und im Geist betrachte ich alles in ihm als im absoluten Grund eingeschlossen. Wenn ich das Immerwährende und Beständige betrachte, dann sehe ich geistig das Werden-Können und in ihm selbst die Natur aller Einzeldinge so, wie sie entsprechend der vollkommenen Ausfaltung der Vorbestimmung des göttlichen Sinnes werden sollen; wenn ich dagegen auf die Zeit hinblicke, dann verstehe ich auf sinnliche Weise, daß sich alles der Reihe nach durch die Nachahmung der Vollendung des Immerwährenden entfaltet. Denn das Sinnliche ahmt das Geistige nach. Darum ist in dem geschaffenen Werden-Können alles Geschaffene vorherbestimmt; so wurde auch diese schöne Welt, so wie sie ist. Doch darüber später mehr.
Wie dieses gedacht werden kann, will ich durch ein, wenn auch nur einigermaßen zutreffendes Bild erläutern.