Werk:De ven. sap./7
7▶Cum impossibile fieri non fiat, nihil factum est aut fiet, quin potuit aut possit fieri. Quod autem est et non est factum nec creatum, [1] non potuit neque potest fieri neque creari. Praecedit enim posse fieri et est aeternum, cum non sit nec factum nec creatum nec possit fieri aliud. Omne autem quod est factum aut fiet, cum sine posse fieri nec sit factum | nec fiet, habet principium unum absolutum, [2] quod est principium et causa ipsius posse fieri. Et id est illud aeternum, [3] quod posse fieri antecedit; et est absolutum principium et incontrahibile, quia est omne quod esse potest; et ipsum quod fit, de posse fieri producitur, quia ipsum posse fieri fit actu omne quod fit. Omne autem quod factum est ex posse fieri, aut est id, quod fieri potest, aut est post illud; et numquam est id quod fieri potest, [4] sed sequitur et imitatur ipsum. Fieri posse cum non sit factum, nec a se est factum nec ab alio. Nam cum omne factum praecedat li posse fieri, quomodo fieret ipsum posse fieri? Sed cum sit post id, quod est omne quod esse potest, scilicet aeternum, habet initium. Tamen non potest deficere posse fieri. Si enim [5] deficeret, hoc fieri posset. Non igitur posse fieri deficeret. Posse fieri igitur initiatum in aevum manet et perpetuum est.
Übs. Sg.
Da das Unmögliche nicht geschieht, so ist nichts geschehen oder wird geschehen, was nicht geschehen konnte oder geschehen kann. Was aber Dasein hat, ohne geworden oder geschaffen zu sein, das konnte und kann nicht werden noch geschaffen werden. Es geht nämlich dem Werden-Können voraus und ist ewig, ist es doch weder geworden noch geschaffen, noch kann es ein anderes werden. Alles aber, was geworden ist oder werden wird, hat, da es ohne das Werden-Können nicht geworden wäre noch werden könnte, einen einzigen absoluten Ursprung, welcher der Ursprung und die Ursache des Werden-Könnens selbst ist. Das ist jenes Ewige, das dem Werden-Können vorangeht. Zugleich ist es absoluter und keiner Einschränkung fähiger Ursprung. Es ist ja alles, was es sein kann, und das, was wird, wird aus dem Werden-Können hervorgebracht, da das Werden-Können alles das wirklich wird, was wird.
Alles aus dem Werden-Können Gewordene aber ist entweder das, was fähig ist zu werden, oder ist nach ihm. Und zwar ist es niemals das, was fähig ist zu werden, sondern folgt ihm nach und ahmt es nach. Das Werden-Können ist als ungeworden weder von sich noch von einem anderen geschaffen. Denn da allem Gewordenen das Werden-Können vorangeht, wie sollte das Werden-Können selbst werden?
Doch da das Werden-Können nach demjenigen ist, das alles ist, was es sein kann, d.h. nach dem Ewigen, so hat es einen Anfang. Trotzdem kann das Werden-Können nicht aufhören. Würde es nämlich aufhören, so könnte nämlich das Aufhören werden. Also würde das Werden-Können gerade nicht aufhören. Wenn es einmal begonnen hat, so bleibt also das Werden-Können ewig bestehen und dauert durch alle Zeiten.
Übs. Dp.
Da das, was unmöglich werden kann, nicht wird, ist nichts geworden und wird nichts, das nicht werden konnte oder werden kann. Was aber ist und nicht gemacht noch geschaffen wurde, konnte und kann weder werden noch geschaffen werden. Denn da es weder geworden noch geschaffen ist noch etwas anderes werden kann, geht es dem Werden-Können voran und ist ewig.
Alles aber, was geworden ist oder wird, hat, da es ohne das Werden-Können weder geworden ist noch wird, einen absoluten Ursprung; dieser ist der Ursprung und der Grund des Werden-Könnens; er ist jenes Ewige, das dem Werden-Können vorangeht, der absolute und, da er alles ist, was er sein kann, der nicht verschränkbare Ursprung. Das, was entsteht, entsteht aus dem Werden-Können, da dieses alles, was entsteht, wirklich wird.
Alles aber, das aus dem Werden-Können geworden ist, ist entweder das, was werden kann oder es ist als Gewordenes nach ihm und niemals das, was werden kann. Es folgt dem Werden-Können und ahmt es nach, da dieses weder von sich noch von einem andern gemacht worden ist. Denn wie soll das Werden-Können selbst werden, da dieses jedem Gewordenen vorausgeht?
Aber da es nach dem ist, das alles ist, was es sein kann, nämlich nach dem Ewigen, hat es einen Beginn. Dennoch kann das Werden-Können nicht aufhören. Wenn es nämlich aufhörte, dann könnte das geschehen. Das Werden-Können hört daher nicht auf.
Das Werden-Können, das begonnen hat, bleibt für alle Zeit und ist immerwährend.