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Werk:Phaidon (Platon)/88

aus AufEinWort, der freien Forschung

—Übrstzng B.Z.

◀▷… [1] Denn wenn jemand dem, der das behauptet, auch noch mehr zugestehen wollte als das, was du behauptest, indem er ihm zugäbe, daß unsere Seelen nicht nur in der Zeit schon waren, bevor wir geboren wurden, sondern daß auch nichts daran hindere, daß auch, nachdem wir gestorben sind, die Seelen von einigen noch seien und sein würden und noch oft geboren und wieder sterben würden – denn so stark sei die Seele von Natur, daß sie es aushielte, oftmals geboren zu werden –, dies zugebend würde er aber wohl nicht noch jenes zugestehen, daß sie sich nicht aufreibe in diesen vielen Geburten und am Ende in irgendeinem dieser Tode gänzlich zugrundegehe;[2] [3] diesen Tod und diese Auflösung des Körpers, die der Seele den Untergang bringt, kenne nur keiner, könnte er sagen. Unmöglich nämlich sei es, daß irgendeiner von uns dies wahrnehme. Wenn sich das aber so verhält, dann kommt es keinem zu, der in bezug auf den Tod zuversichtlich ist, nicht auf törichte Weise zuversichtlich zu sein,[4] wenn er nicht beweisen kann, daß die Seele gänzlich unsterblich und unvergänglich ist; andernfalls muß jeder, der mi Begriff ist zu sterben, notwendig immer für seine Seele fürchten, ob es nicht gerade diese Trennung von dem Körper sei, in der siegänzlich zugrundegehen werde.

[5] [6] Wir alle nun, die wir sie hatten sprechen hören, waren in eine unangenehme Stimmung versetzt, wie wir uns später eingestanden, weil sie uns, nachdem wir von den vorangegangenen Reden sehr überzeugt gewesen waren, wieder unruhig zu machen und in Zweifel zu stürzen schienen, nicht nur über die vorher geführten Reden, sondern auch in bezug auf das, was künftig gesagt werden würde – ob wir nicht ganz unfähige Richter wären oder die Sache selbst unerkennbar sei.[7]

Ech.: Bei den Göttern, Phaidon, das nehme ich euch nicht übel. Denn nachdem ich das nun von dir gehört habe, ist es auch über mich gekommen, [8] etwa folgendes zu mir selbst zu sagen: Welcher Rede sollen wir nun noch vertrauen? Denn wie überzeugend sie auch war, die Rede, die Sokrates gehalten hat, nun ist sie doch in Zweifel gestürzt. Auf seltsame Weise nämlich ergreift mich, wie schon immer, so auch jetzt diese Rede, daß unsere Seele eine Stimmung sei;[9] und wie sie nun vorgetragen wurde, hat sie mich daran erinnert, daß es auch mir selbst früher schon so geschienen hatte. Und dringend bedarf ich wieder, wie am Anfang, eineranderen Rede, die mich davon überzeugt, daß mit dem Sterbenden die Seele nicht mitstirbt. Sag' nun, bei Zeus, wie Sokrates der Sache nachgegangen ist! Und ob auch ihm, wie du es von euch sagst, [10] etwas von Betrübnis anzumerken war oder nicht, und er vielmehr der Rede gelassen zur Hilfe kam; und ob er es hinreichend tat oder mangelhaft. Das alles stelle uns so genau dar wie möglich.▷

—Übrstzng F.S.