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Werk:Phaidon (Platon)/95

aus AufEinWort, der freien Forschung

—Übrstzng B.Z.

◀▷Folglich, Bester, ist es keineswegs richtig von uns zu behaupten, daß die Seele eine Stimmung ist. [1] Denn weder würden wir, wie es scheint, mit Homer, dem göttlichen Dichter, übereinstimmen noch mit uns selbst.

So ist es, sprach er.

[2] Nun gut, sagte Sokrates, die Sache mit der Thebanischen Harmonia[3] ist für uns, wie es scheint, noch ganz leidlich ausgegangen. Wiesteht es aber nun mit der des Kadmos,[4] Kebes, wie versöhnen wir uns damit und durch welche Rede?

Das wirst du, glaube ich, schon herausfinden, sprach Kebes, die Rede gegen die Stimmung jedenfalls hast du für mich wider Erwarten ganz wunderbar ausgeführt. Denn als Simmias sagte, was ihn ratlos machte, fragte ich mich ganz verwundert, ob jemand mit seiner Rede etwas anfangen könne. [5] Ganz unfaßbar schien es mir daher, daß sie gleich dem ersten Anlauf deiner Rede nicht standhielt. Also würde ich mich auch nicht wundern, wenn dies auch der Rede des Kadmos widerfahren würde.

Guter, sagte Sokrates, keine großen Worte, damit uns nicht ein Zauber die Rede verdrehe,[6] die wir führen wollen. Doch dafür möge Gott sorgen, wir aber wollen, indem wir in Homerischer Weise[7] näher treten, prüfen, ob du wohl etwas sagst. Offenbar ist die Hauptsache von dem, was du suchst, dieses: Du willst, es solle gezeigt werden, daß unsere Seele unvergänglich und unsterblich ist, wenn ein [8] philosophischer Mensch, der mi Begriff ist zu sterben und dabei zuversichtlich ist und glaubt, es gehe ihm, wenner gestorben ist, dort gut, anders, als wenn er einer anderen Lebensweise folgend gestorben wäre, nicht auf törichte und einfältige Weise zuversichtlich sein soll. Aufzuzeigen aber, daß die Seele etwas Starkes und Gottgleiches ist und schon war, bevor wir Menschen geboren wurden, das alles hindere nicht daran, sagst du, nicht etwa Unsterblichkeit anzuzeigen, sondern nur, daf die Seele dauerhaft ist und früher irgendwo unvorstellbar lange gewesen ist und viele Dinge gewußt und getan hat. Aber [9] deswegen sei sie noch um nichts mehr unsterblich, sondern gerade, daß sie in den menschlichen Körper gekommen ist, sei für sie der Anfang vom Untergang gewesen, so wie eine Krankheit.[10] Und große Leiden erduldend bringe sie dieses Leben zu und gehe zuletzt in dem, was man Tod nennt, unter. Es mache also keinen Unterschied, behauptest du, ob sie einmal in einen Körper kommt oder oftmals, in Hinsicht darauf jedenfalls, daß jeder von uns sich fürchten müsse. Denn es sei für jeden angebracht, sich zu fürchten – sofern er nicht töricht ist –, der nicht weiß und auch keine Rechenschaft darüber geben kann, daß sie unsterblich ist. [11] Dieses etwa ist es, glaube ich, Kebes, was du meinst; absichtlich nehme ich es mehrfach wieder auf,[12] damit uns nicht etwas entgehe und du, wenn du willst, noch etwas hinzufügen oder wegnehmen kannst.

Da sagte Kebes: Aber ich habe im Augenblick weder etwas wegzunehmen noch hinzuzufügen; es ist das, was ich meine.[13]▷

—Übrstzng F.S.