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Werk:Phaidon (Platon)/Anm.105

aus AufEinWort, der freien Forschung

105. Das Bild von der Seele als einer Substanz, die sich mit einem Gewand, dem Körper umgibt, wurde vermutlich in der Orphik verwendet. Aber auch von Empedokles ist überliefert, daß er den Körper als Kleid der Seele verstand: »Die Göttin ... mit fremdartigem Fleischhemd die Seelen umkleidend ...« (Porphyrios ap. Stobaios I, S. 446 f.; nach Mansfeld, s. 147). – Kebes will mit diesem Bild – im Gegensatz zu Simmias – der Seele relative Unabhängigkeit vom Körper zugestehen, sie ist Ursache des Körpers. Ihre Unabhängigkeit ist jedoch keine absolute, weil sich die Seele durch die Erzeugung ihrer verschiedenen Körper nach und nach aufzehrt. In Kebes' Vorstellung heißt Beseelung also nicht Verbindung von Stoff und Form, sondern die Form entläßt aus sich heraus den Stoff und verbraucht sich dabei. Damit die Seele sich aber auf diese Weise verbrauchen kann, muß sie selbst stofflich sein. Auch Kebes fällt also wieder in sinnliche Vorstellungsweisen zurück. Letztlich bleibt bei ihm und Simmias als einzige Wirklichkeit nur das Stoffliche übrig, was unausweichlich zu Widersprüchen führt, wie Sokrates in seiner Autobiographie (96a-97b) aufweist; der Stoff ist aus sich heraus, ohne Bezug zum Nicht-Stofflichen, nicht verstehbar.