Werk:Phaidon (Platon)/Anm.160
160. Der Erklärungswert der Idee erscheint zunächst gering. Es handelt sich bei ihr jedoch keinesfalls um eine bloße Tautologie, eine sinnlose Verdoppelung des dem Gegenstand Innewohnenden, wie Aristoteles glaubte. Vielmehr ist mit ihr die Erkenntnis bezeichnet, daß es immer dieselbe Ursache ist, die in Verschiedenem dasselbe bewirkt, daß dies also notwendige Ursache ist. Zudem wird durch sie sichtbar, daß das bisher für die Ursache gehaltene Stoffliche nur das Material ist, an dem sie wirksam wird. Da sie zunächst nur inhaltlich nicht gefüllte Chiffre ist, muß sie erkannt werden; noch ist sie bloß als denknotwendig gefordert. Daß sie erkanntwerden muß, verweist weiter auf die Ideenhierarchie und deren letzte Grundlage, die Idee des Guten, von der her alle anderen Ideen erst wirklich verstehbar und begründbar sind. Der erste hier von Sokrates unternommene Schritt zieht also alle weiteren Schritte der teleologischen Erklärung nach sich.