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Werk:Phaidon (Platon)/Anm.34

aus AufEinWort, der freien Forschung

34. Philolaos warangeblich Lehrer des Archytas von Tarent (vgl. Anm. 1 und 184) und derjenige der Pythagoräer, durch dessen Schriften die sonst im inneren Zirkel der Anhänger geheim gehaltene Lehre des Pythagoras Verbreitung fand. Daß Simmias und Kebes hier indirekt als Schüler des Philolaos bezeichnet werden, kennzeichnet sie selbst als Pythagoräer; der Dialog mit ihnen ist ein Dialog mit dem Pythagoräismus. Dessen zentrale Forderung ist die ›Katharsis‹, dei Reinigung. Die Reinheit der Lebensführung ist Voraussetzung für Erkenntnis, weil nur dem Reinen der Weg zu den Göttern offensteht. Die Reinigung soll vor allem durch Askese geschehen. Der Körper ist der Seele von Natur aus entgegengerichtet, weil er sie hinabzieht. Deshalb muß er überwunden werden. Diese negative Bewertung der Körperlichkeit steigerte sich im späten Pythagoräismus, dem wohl auch Simmias und Kebes zuzurechnen sind, zur Leibfeindlichkeit. Dafür steht die Formel ›soma – sema‹, der Körper ist das Grab der Seele. – Offenbar ist es diese Position, die Sokrates in seiner Rede über die ›echten‹ Philosophen (66b-67b) zitiert – und mit seiner eigenen Vorstellung von seelischer Reinigung, nämlich durch Tugend, nicht durch Abtötung des Körpers, kritisiert. Zur pythagoräischen Lehre vgl. auch Anm. 104.