Werk:Phaidon (Platon)/Anm.41
41. Die eigene philosophische Grundüberzeugung mit ihren Folgen, dem unsentimentalen Verhältnis zum Tod, muß auch vor den Freunden gerechtfertigt werden, d. h. sie teilen sie nicht. Die Schülerschaft ist äußerlich geblieben. Das Motiv des Richtens zieht sich durch den ganzen Dialog – von der Erwähnung des Prozesses über die Richterschaft der Freunde bis zum Totengericht im Schlußmythos. Das Ende des Lebens ist Anlaß, die Lebensentscheidung noch einmal zu verteidigen; das Fehlurteil der irdischen Richter wird auch durch das wohlwollende, aber verständnislose Urteil der Freunde nicht korrigiert, wohl aber durch ›göttliche‹ Gerechtigkeit: das Wissen des Sokrates, dem richtigen ›Daimon‹ (s. Mythos) gefolgt zu sein, und der leichte Abschied nach einem erfüllten Leben.