Werk:Phaidon (Platon)/Anm.66
66. Die sich anschließende, zur ›Entstehung aus dem Gegenteil‹ verallgemeinerte Theorie, daß das Lebende aus dem Toten, das Tote aus dem Lebenden entsteht, war Bestandteil der orphischen und pythagoräischen Lehre. Sie ist aber auch von Empedokles bezeugt: »Er (der Haß) verordnete, daß aus lebendigen tote Gestalten (sich entwickelten), indem er sie wechseln ließ, und aus toten lebendige« (nach: Clemens von Alexandria, Strom. III 14, 2, zitiert nach: Die Vorsokratiker II, hrsg. v. J. Mansfeld, Stuttgart 1986, S. 147). Ähnlich die Auffassung des zur Eleatik zählenden Melissos, daß »das Lebende sterbe und aus Nichtlebendem Werden entstehe« (Fragm. 8, 3, zitiert nach P. Friedländer, Platon, Bd. 3, Berlin 1975, S. 38). Sokrates bedient sich hier also einer verbreiteten Sichtweise, daß Werden und Vergehen nicht absolut sind, sondern nur einen Gestaltwechsel bedeuten.