Werk:Phaidon (Platon)/Anm.7
Erscheinungsbild
7. Diese Ambivalenz der Gefühle läßt ein Motiv anklingen, das noch zweimal wiederkehrt: wenn Sokrates über die Relativität von Lust und Unlust spricht (60b-c) und bei der ›Entstehung aus dem Gegenteil› (70c-72a). In allen Fälen geht es um die Vergänglichkeit alles Sinnlichen, das in stetem Wandel begriffen ist und bei dem die Gegensätze immer wieder ineinander umschlagen. Bemerkenswert ist an dieser Stelle, daß Sokrates während des ganzen Gesprächs keinen Gefühlswandel durchzumachen scheint; er wird eingangs als ‹glücklich‹ geschildert (58e) und verbleibt auch im Verlauf des weiteren Dialogs in heiterer Gelassenheit – Ausdruck seiner philosophischen Orientierung am Nicht-Sinnlichen, Sich-Gleichbleibenden.