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Werk:Phaidon (Platon)/Anm.90

aus AufEinWort, der freien Forschung

90. Diese Seelenwanderungs-Vorstellung ist pythagoräisch; möglicherweise geht sie auf indische und ägyptische Anschauungen zurück. Auch Empedokles scheint sie vertreten zu haben: »Ich war ja einst schon Knabe, Mädchen, Strauch, Vogel und aus dem Meer emportauchen der stummer Fisch.« (Fragm. 117). Durch verschiedene Einkörperungen hindurch kann die Seele sich emporläutern. »Unter den Tieren werden sie zu Löwen, die in den Bergen hausen und auf der nackten Erde lagern, unter den schön belaubten Bäumen aber zum Lorbeer.« (Fragm. 127). »Zuletzt aber werden sei zu Sehern, Sängern und Ärzten und Führern unter den erdbewohnenden Menschen, und von da an wachsen sie empor zu Göttern, an Ehren Reichsten.« (Fragm. 146, zit. nach Capelle, S. 243ff.). – Sokrates benutzt diese Vorstellung wohl, weil sie den Pythagoräern Simmias und Kebes vertraut ist und weil er damit auf bildliche Weise noch einmal nahebringen kann, was er zuvor abstrakt dargestellt hatte: Jeder lebt das Leben, das er selbst gewählt hat; wer auf das wahrhaft menschliche Leben, das Leben der Vernunft, verzichtet, fällt auf animalische Lebensformen zurück.