Werk:TDPC/42.1
▷Cardinalis: Scimus quod omnis numerabilis proportio diametri ad costam est inattingibilis, cum nulli duo numeri dari possent, qui praecise sic se habeant. Sed quibuscumque datis habitudo eorum est aut maior aut minor quam diametri ad costam, et quibuscumque datis possunt dari numeri propinquiores illi habitudini. Et ita videtur possibilis, sed actu numquam datur illa possibilitas. Actus autem esset praecisio, ita quod numeri praecise se sic haberent. Ratio est: Quia nisi numerus detur qui nec par nec impar, non erit quaesitus. Omnis autem numerus quem nos concipimus necessario est par vel impar et non simul; ideo deficimus. Videmus tamen quod apud illum conceptum qui concipit nobis impossibile praecisio exsistit. Sic dicere nos oportet quod noster conceptus non potest proportionem ipsius posse et ipsius esse attingere, cum nullum medium commune habeamus per quod attingamus habitudinem, cum posse sit infinitum et indeterminatum et actus finitus et terminatus, inter quae non cadit medium. Sed videmus illa in deo esse indistincta, et ideo est supra nostrum conceptum.
KARD: Wir wissen, daß das Verhältnis von Durchmesser und Seite zahlenmäßig nicht erreichbar ist[1], da keine zwei Zahlen gegeben werden könnten, die sich genau so zueinander verhielten. Sondern welche auch immer gegeben werden, ihr Verhältnis zueinander ist entweder größer oder kleiner als das des Durchmessers zur Seite, und immer können noch solche gegeben werden, die jenem Verhältnis näher kommen. Und so scheint es zwar möglich, dieses Verhältnis zu erreichen, in Wirklichkeit aber wird diese Möglichkeit niemals gegeben. Die Wirklichkeit aber wäre die Genauigkeit, in der die Zahlen sich genau so zueinander verhielten. Der Grund dafür ist: Weil, wenn nicht eine Zahl gegeben würde, die weder gerade noch ungerade ist, es nicht die gesuchte ist. Aber jede Zahl, die wir begreifen, ist notwendig entweder gerade oder ungerade[2] und nicht beides zugleich, und daher versagen wir.[3] Wir sehen aber, daß bei jenem Begriff, der das uns Unmögliche begreift, Genauigkeit besteht. So müssen wir sagen, daß unser Begriff das Verhältnis von Können und Sein nicht zu erreichen vermag, weil wir kein gemeinsames Mittleres haben, durch das wir das Verhältnis erreichten, da das Können unbegrenzt und unbestimmt ist und das Wirklichsein begrenzt und bestimmt, und dazwischen gibt es kein Mittleres. Aber wir sehen beides in Gott ungeschieden sein, und so geht er über unser Begreifen hinaus.
Kardinal: Wir wissen, daß das zahlenmäßige Verhältnis von Durchmesser und Kreisbogen nicht erreichbar ist, weil keine zwei Zahlen gegeben werden können, die sich genauso verhalten wie jene. Welche auch immer gegeben werden, ihr Verhältnis zueinander ist entweder größer oder geringer als das des Durchmessers zum Kreisbogen; und immer können noch solche gegeben werden, die dem Verhältnis näherkommen. So scheint es zwar möglich, dieses Verhältnis zu erreichen, als Wirklichkeit jedoch wird diese Möglichkeit niemals gegeben. Die Wirklichkeit aber wäre die Genauigkeit, in der die Zahlen einander genau entsprächen. Der Grund dafür ist, daß, wenn nicht eine Zahl gegeben wird, die weder gerade noch ungerade ist, es nicht die gesuchte ist. Jede Zahl, die wir begreifen, ist aber notwendigerweise entweder gerade oder ungerade und nicht beides zugleich, und daher versagen wir. Wir sehen jedoch, daß bei jenem Begriff, der das uns Unbegreifliche begreift, Genauigkeit ist; so müssen wir sagen, daß unser Begriff das Verhältnis von Können und Sein nicht zu erreichen vermag, da wir kein beiden gemeinsames Mittleres besitzen, durch das wir das Verhältnis erreichen könnten. Das Können ist unendlich und unbegrenzt und die Wirklichkeit endlich und begrenzt, und zwischen ihnen gibt es kein Mittleres. Aber wir sehen, daß sie in Gott nicht unterschieden sind und daher über unserem Begriff stehen.