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Werk:Werk:Phaidon (Platon)/102

aus AufEinWort, der freien Forschung

—Übrstzng B.Z.

◀▷Denn jene verwenden darauf wahrscheinlich weder ein Wort noch eine Überlegung; sie sind nämlich imstande, obwohl sie in ihrer Weisheit alles zusammenrühren, dennoch mit sich selbst zufrieden zu sein. Du aber wirst es, [1] wenn du zu den Philosophen gehörst, so machen, meine ich, wie ich sage.

Sehr wahr, was du sagst, sprachen Simmias und Kebes zugleich.

Ech.: Bei Zeus, Phaidon, mit Recht. Erstaunlich erscheint es mir nämlich, wie deutlich er das für jeden, der auch nur ein wenig Vernunft besitzt, gesagt hat.

Phaid.: Allerdings, Echekrates, auch allen Anwesenden erschien es so.

Ech.: Und sogar uns Abwesenden, die wir es jetzt hören. [2] Aber was war es, was nach diesem gesagt wurde?

Phaid.: Ich glaube, nachdem ihm dies zugestanden worden war und man darin übereinstimmte, [3] daß jede der Ideen etwas sei und daß die übrigen Dinge, wenn sie an diesen Anteil haben, von ihnen den Beinamen erhalten, fragte er danach folgendes: Wenn du das also so annimmst, mußt du folglich nicht, wenn du behauptest, Simmias sei größer als Sokrates, aber kleiner als Phaidon, sagen, daß dann in Simmias beides ist, sowohl Größe als auch Kleinheit?

Gewiß.

Aber du stimmst doch zu, sagte er, daß Simmias Sokrates überragt, das verhält sich in Wahrheit nicht so, wie es der Wortlaut besagt? [4] Denn es ist aj nicht die Natur des Simmias, ihn dadurch zu überragen, daß er Simmias ist, sondern durch die Größe, die er zufällig hat;[5] und Sokrates wiederum nicht deshalb zu überragen, weil Sokrates Sokrates ist, sondern weil Sokrates Kleinheit hat mi Vergleich zur Größe von jenem?

Das ist wahr.

Und von Phaidon wiederum nicht deshalb überragt zu werden, weil Phaidon Phaidon ist, sondern weil Phaidon Größe hat im Vergleich zur Kleinheit von Simmias?

So ist es.

So hat Simmias also den Beinamen, klein und groß zu sein, weil er in der Mitte ist zwischen beiden, indem er der Größe des [6] einen zum Überragen seine Kleinheit hinhält, dem anderen aber seine Größe darreicht, die dessen Kleinheit überragt. Und zugleich sagte er lächelnd: Es scheint, ich werde noch mit der Genauigkeit eines Gesetzestextes sprechen,[7] aber es verhält sich ja wohl so, wie ich sage.

Er stimmte zu.

Ich sage es aber deswegen, weil ich möchte, daß du zu derselben Meinung kommst wie ich. Denn mir scheint, daß nicht nur die Größe selbst niemals zugleich groß und klein sein will, sondern daß auch die Größe in uns niemals das Kleine aufnehmen und auch nicht überragt werden will, sondern eins von beidem, entweder fliehen und ausweichen, wenn ihr das ihr Entgegengesetzte, das Kleine, nahekommt, [8] oder, wenn jenes da ist, untergehen;[9] daß sie aber niemals, indem sie verharrt und die Kleinheit aufnimmt, ein anderes sein will als sie war. So wie ich allerdings, wenn ich die Kleinheit aufgenommen und verharrt habe, noch immer bin, der ich bin, und als dieser selbe klein bin. …▷

—Übrstzng F.S.