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Werk:Werk:Phaidon (Platon)/105

aus AufEinWort, der freien Forschung

—Übrstzng B.Z.

◀▷Was ich also erklärt habe, bestimmen zu wollen, nämlich von welcher Beschaffenheit die Dinge sind, die, obwohl sie einem bestimmten anderen nicht entgegengesetzt sind, es selbst, das Entgegengesetzte, doch nicht annehmen – wie zum Beispiel jetzt die Dreiheit das Gerade, obwohl sie ihm nicht entgegengesetzt ist, doch keineswegs annimmt, denn sie bringt immer das ihm Entgegengesetzte mit hinzu, wie auch dem Ungeraden die Zweiheit [1] und auch dem Kalten das Feuer und so zahlreiches anderes mehr –, so sieh' also, ob du es so bestimmen willst, daßnicht nur ein Entgegengesetztes das andere nicht annimmt, sondern daß auch jenes, welches etwas Entgegengesetztes zu jenem hinzubringt, zu dem es selbst kommt, als das Hinzubringende selbst niemals das Entgegengesetzte des Hinzugebrachten annimmt. Aber vergegenwärtige es dir noch einmal – denn es ist nicht schlecht, es öfter zu hören. Das, was fünf ist, wird die Idee des Geraden nicht annehmen, noch das, was zehn ist, als das Doppelte die des Ungeraden. Das ist nun zwar auch selbst einem anderen entgegengesetzt, dennoch nimmt es aber die Idee des [2] Ungeraden nicht an; also auch nicht das Anderthalbfache und anderes dieser Art als Halbes die Idee des Ganzen oder wiederum das Drittel und alles derartige, wenn du mir folgst und es dir auch so scheint.

Durchaus scheint es mir so, sagte er, und ich folge dir.

[3] Sage es mir also, sprach er, noch einmal von Anfang an. Und antworte mir nicht so, wie ich frage, sondern auf andere Art, indem du mich nachahmst. Ich sage das, weil ich neben jener sicheren Antwort, die ich anfangs nannte,[4] infolge des jetzt Gesagten noch eine andere Sicherheit sehe. Wenn du mich nämlich fragen würdest: Was muß im Körper sein, wenn er warm sein soll?, [5] dann würde ich dir nicht jene sichere und einfältige Antwort geben, daß Wärme in ihm sein muß, sondern eine schlauere infolge des jetzt Gesagten, daß Feuer in ihm sein muß.[6] Und wenn du mich fragen würdest: Was muß mi Körper sein, wenn er krank sein soll?, würde ich nicht antworten, daß Krankheit in ihm sein muß, sondern Fieber. Und auch bei der Frage: Was muß in einer Zahl sein, wenn sie ungerade sein soll?, werde ich nicht antworten, daß Ungeradheit in ihr sein muß, sondern Einheit, und beim übrigen ebenso. Aber sieh', ob du schon hinreichend verstehst, was ich will.

Völlig hinreichend, sagte er.

Antworte also, fuhr er fort: Was muß wohl im Körper sein, wenn er lebendig sein soll?

Eine Seele wohl, sprach er.

[7] Verhält sich das nun immer so?

Wie sollte es nicht? fragte er.

Die Seele kommt also zu jenem, was sie auch in Besitz nimmt, immer, indem sie Leben mitbringt? Das tut sie allerdings.

Gibt es aber etwas, was dem Leben entgegengesetzt ist oder nichts?

Es gibt etwas, sagte er. Was?

Der Tod.

Also wird die Seele das Entgegengesetzte zu dem, was sie selbst immer hinzubringt, niemals annehmen, wie infolge des Vorangegangenen zugestanden wurde?

Und zwar ganz entschieden.

[8] Wie nun? Das, was die Idee des Geraden nicht annimmt, wie haben wir das eben genannt?

Ungerade, sagte er.

Und was das Gerechte nicht annimmt, und was das Musische nicht annimmt?

[9] Unmusisch, sagte er, das andere aber ungerecht.

Gut. Was aber den Tod nicht annimmt, wie nennen wir das? Unsterblich, sagte er.

Und die Seele nimmt den Tod nicht an?

Nein.

Unsterblich ist demnach die Seele. Unsterblich.

Gut, sagte er. Sollen wir sagen, dies sei bewiesen? Oder was meinst du?

Und zwar völlig hinreichend, Sokrates.▷

—Übrstzng F.S.