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Werk:Werk:Phaidon (Platon)/116

aus AufEinWort, der freien Forschung

—Übrstzng B.Z.

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…Vielmehr sollst du Mut fassen und sagen, daß du meinen Körper begräbst, und du sollst ihn so begraben, [1] wie es dir beliebt und wie du glaubst, daß es am ehesten dem Brauch entspricht.[2]

[3] Als er das gesagt hatte, stand er auf und ging in eine Kammer, um zu baden, und Kriton folgte ihm; uns aber hieß er zu warten. Wir warteten also, indem wir uns miteinander über das Gesagte unterhielten und es genau erwogen, dann aber be- sprachen wir wieder das Unglück, welches uns getroffen habe, völlig in der Meinung, daß wir nun, gleichsam des Vaters be- raubt, als Waisen unser weiteres Leben zubringen würden. [4] Nachdem er gebadet und man seine Kinder zu ihm gebracht hatte – zwei kleine Söhne nämlich hatte er und einen großen – und die ihm angehörigen Frauen gekommen waren, unterhielt er sich mit ihnen in Gegenwart von Kriton; und als er ihnen aufgetragen hatte, was er wollte, hieß er die Frauen und die Kinder zu gehen, er selbst aber kam zu uns. Da war der Sonnenuntergang schon nahe; denn er hatte lange Zeit drinnen zugebracht. Als er gekommen war, setzte er sich hin nach dem Bad, und er hatte sich danach noch nicht viel unterhalten, da kam der Vollstrecker [5] der elf Männer, stellte sich neben ihn und sprach: Sokrates, von dir werde ich gewiß nicht erleben, was ich von anderen erlebe, daß sie mir zürnen und mich verwünschen, wenn ich sie dazu auffordere, das Gift zu trinken, weil die Herrschenden mich dazu nötigen. Dich aber habe ich in in dieser Zeit überhaupt als den edelsten, sanftmütigsten und besten Menschen von allen, die jemals hierher gekommen sind, kennengelernt, und auch jetzt weiß ich sicher, daß du nicht mir zürnst – denn du kennst die Schuldigen ,-sondern jenen. Nun also, denn du weißt, was an [6] zukünden ich gekommen bin, lebe wohl und versuche, das Notwendige so leicht wie möglich zu ertragen. Und weinend wendete er sich um und ging fort.

Da blickte Sokrates zu ihm hin und sagte: Auch du lebe wohl, und wir wollen das tun. Und zu uns sagte er: Wie zartfühlend der Mensch ist. Schon die ganze Zeit über ist er zu mir gekommen, hat sich manchmal mit mir unterhalten und war der liebste Mensch, und nun, wie aufrichtig beweint er mich! Aber auf, Kriton, wir wollen ihm gehorchen, und jemand bringe das Gift, wenn es schon bereitet ist. Wenn aber nicht, soll der Mensch es bereiten.

[7] Da sagte Kriton: Aber ich glaube, Sokrates, die Sonne istnoch bei den Bergen und noch nicht untergegangen. Außerdem weiß ich, daß auch andere erst ganz spät getrunken haben, nachdem es ihnen verkündet wurde, und sie haben noch gut gegessen und getrunken, und manche sind sogar noch mit denen zusammengewesen, die sie gerade begehrten. Also eile dich nicht! Denn noch ist es gestattet.▷

—Übrstzng F.S.

  1. ↑ [116.A]
  2. ↑ Phaidon (Platon)/Anm.207
  3. ↑ 65.
  4. ↑ [B]
  5. ↑ [C]
  6. ↑ [D]
  7. ↑ [E]