a/Wgb.
Erscheinungsbild
a, A
(Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 1-2. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000000035; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 1 | 2; Kategorien: Lexikalischer Artikel; Faksimile [1])
a,
- ein Vokal,
- und zugleich der erste Buchstab des Deutschen Alphabetes,
- welcher unter allen Vocalen für die Aussprache der einfachste und leichteste ist,
- weil er mit der weitesten Öffnung des Mundes gebildet wird,
- daher er auch der erste vernehmliche Ton ist,
- welchen die Natur in den neugebornen Kindern von sich gibt.
- Sprichw. Wer A sagt muß auch B sagen, wer sich einmahl in etwas eingelassen hat, muß darin fortfahren.
Bey
- den Hochdeutschen
- hat dieses a nur einen einzigen Laut,
- welcher entweder gedehnt ist,
- wie in da, Gabe, laben
- oder geschärft,
- wie in was, raffen, Pallast.
- welcher entweder gedehnt ist,
- hat dieses a nur einen einzigen Laut,
- Allein in den verschiedenen Mundarten
- wird es fast durch alle Schattirungen der Aussprache hindurch geführet;
- wovon man, was die Oberdeutschen Provinzen betrifft,
- Popowitschens Untersuchung vom Meere S. 89, 288 f. nachsehen kann.
- Am häufigsten nähert man es daselbst dem o,
- da es denn dem Schwedischen å sehr ähnlich wird.
- Oft wird das a von dem o gänzlich verdränget,
- und es gibt auch noch Hochdeutsche,
- welche Odem für Athem sprechen und schreiben.
- In manchen Provinzen verwandelt man es in den unangenehmen Doppellaut oa,
- z.B. foahren, troan, für fahren, tragen,
- und in noch andern läßt man ein u hinter her schleichen,
- wie jau für ja,
- oder setzet wohl gar das u an dessen Stelle,
- wie hust du, für hast du, ju für ja, Klufter für Klafter.
- wovon man, was die Oberdeutschen Provinzen betrifft,
- wird es fast durch alle Schattirungen der Aussprache hindurch geführet;
Von der Bezeichnung
- des gedehntem a,
- S. Orthogr. Th. 1, S. 248.
- In der Ableitung und Veränderung der Wörter wird dieses a sehr oft in ä verwandelt;
- als Anfang, anfänglich;
- Zahl, zählen,
- Pfalz, Pfälzer;
- Hand, Hände;
- Mangel, Mängel;
- ich dachte, ich dächte;
- ich schlage, du schlägst, er schlägt;
- wovon die Regeln, wenn anders welche davon gegeben werden können, in der Sprachlehre gesucht werden müssen.
Das a privativum,
- welches einige in den alten Deutschen Mundarten angetroffen haben wollen,
- ist nichts anders, als eine verkürzte Aussprache des heutigen un- oder ohn-;
- z.B. adeilon, untheilhaft, ateilig verlustig, Achusti, Untugend, Amalia, die Unbefleckte, von Mail.
Auf gleiche Art
- sprechen einige Niedersachsen noch heut zu Tage
- Amacht, amächtig, awiesig, Awiesigkeit u.s.f.
- für Ohnmacht, ohnmächtig, unweise oder läppisch u.s.f.
- Eben diese Bewandtniß
- hat es auch mit Wachters so genanntem
- a positivo,
- welches wohl auch nichts anders,
- als der durch eine geschwinde Aussprache verkürtzte unbestimmte Artikel ein ist,
- Statt dessen nicht nur viele Deutsche Provinzen im geschwinden Reden,
- sondern auch die Engländer allemahl, ein a oder ä,
- und wenn ein Vocal darauf folgt, au gebrauchen;
- z.B. a Finger, a Fisch, a Gürtel, a Glas, än, oder an Altar, an Ofen, an Arm, an Ochs und s. f.
- und Engl. a finger, a fish, a girdle, a glass, an altar, an oven, an arm, an ox,u.s.f.
- welcher Artikel denn nachmahls mit vielen Hauptwörtern auf eine nunmehr unzertrennliche Art zusammen geschmolzen seyn kann.
- S. Ein, und Ameise.
- Statt dessen nicht nur viele Deutsche Provinzen im geschwinden Reden,
- als der durch eine geschwinde Aussprache verkürtzte unbestimmte Artikel ein ist,
- hat es auch mit Wachters so genanntem
Das a drucket,
Am Ende vieler heutigen eigenthümlichen Nahmen der Flüsse und Örter
- ist a aus acha, aha, oder ach, d.i. Wasser, zusammen gezogen. S. Ach.