enarratio poetarum
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Mit enarratio poetarum (lateinisch für „Dichtererklärung“ oder „Dichterauslegung“) wird in der antiken Grammatik- und Rhetorikausbildung die fachkundige Kommentierung und Interpretation literarischer Texte – insbesondere von Gedichten – bezeichnet
Der Begriff geht maßgeblich auf den berühmten römischen Rhetoriklehrer Quintilian (ca. 35–96 n. Chr.) zurück. Er definierte die antike Grammatik als Wissenschaft, die auf zwei Hauptsäulen ruht: [1, 2, 3]
- Der recte loquendi scientia (der Lehre vom korrekten Sprechen und Schreiben)
- Der poetarum enarratio (der erklärenden Lektüre von Dichtertexten) [1, 2]
Die zentralen Aufgaben der enarratio poetarum
Wenn antike Gelehrte oder spätere Humanisten Dichtertexte enarrirten, umfasste das folgende Kernbereiche:
- Metrik und Prosodie: Das Erfassen und Analysieren des Versmaßes (z.B. Hexameter, Pentameter).
- Sprachliche Deutung: Die Erklärung veralteter Wörter (Glossen), seltener sprachlicher Wendungen und grammatikalischer Besonderheiten.
- Stilistische Analyse: Das Erkennen von rhetorischen Figuren und Tropen (Metaphern, Allegorien etc.).
- Sach- und Kulturwissen: Die Erläuterung der im Text erwähnten historischen, mythologischen, geografischen und philosophischen Hintergründe, um den Text tiefgreifend zu verstehen.
- Wertung: Das ästhetische und moralische Beurteilen des Werke