gerne
ahdt. gerno, ⇒ mhdt. gerne, gern ⇒ dt. gerne, gern
Ustw. ‘bereitwillig, mit Vorliebe’,
- ist das Ustw. zu einem nhdt. untergegangenen Egsw.
- ‘bereitwillig, mit Vorliebe’,
- ahd. gerno (9. Jh.), gern(i) ‘etw. begehrend, eifrig bedacht’ (9. Jh.)
- mhd. gern(e),
- mhdt. -gern (nur in Komposita),
- asächs. gerni, gern
- aengl. georn ‘eifrig, begierig’,
- anord. gjarna,
- ger. *gerna-,
- auch in got. faíhugaírns ‘geldgierig’,
- mndt. gērne,
- mnl. gheerne, gherne, ghaerne,
- nl. gaarne, gerne,
- schwed. gärna
- das mit
- auf die Ww. uig. *g̑her- ‘begehren, gern haben’ zurückgeführt wird.
- ‘bereitwillig, mit Vorliebe’,
- Stabreimend in der Wendung gut und gern (14. Jh.).
Ja Phillis, daß du schöner bist,
Gesteh ich dir gar gerne zu,
Weiße.
Nach einer noch weitern Figur zuweilen auch von leblosen Dingen, für leicht, im Gegensatze des gedrange. Joab hatte ein Schwert, das ging gern aus und ein, 2 Sam. 20, 8. 3) Für gewöhnlich, gemeiniglich. Junge Leute werden gern betrogen. Er pflegt alles gern zu tadeln. Stille Wasser sind gern tief. Ich pflege gern um acht Uhr zu Bette zu gehen. Die besten Schwimmer ertrinken gern. 4) Mit Fleiß, mit Vorsatz. Ich habe es nicht gern gethan. Bey dem Kero und in der Monseeischen Glosse kommt auch das Hauptwort Kerni für Fleiß vor.
[593] Anm. Dieses Wort lautet bey dem Kero cernlihho, im 9ten Jahrhund. gerno, bey dem Ottfried und Willeram gerno, im Theuerdanke geren, im Dän. glären, im Angels. corn, im Schwed. gerna, im Isländ. girnt. Im Tatian bedeutet gerniliho, und im Schwabensp. gern auch sorgfältig. Es stammet von gehren, begehren, ab, welches im Ulphilas gairnan und im Angels. geornan lautet; S. Begehren. Ehedem hatte man im Oberdeutschen auch den Comparat. gerner, und Superlat. am gernsten. Ich sehe si iemer gerner an, Herman von der Vogelweide. Gernoste, Notk. Im gemeinen Leben sind sie noch nicht ganz veraltet, ob man gleich im Hochdeutschen lieber und am liebsten dafür angenommen hat. Für sehr gern sagt man im Nieders. auch blootgeern, blootsken geern. Das e am Ende, gerne, hat keinen Grund für sich.
Im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart macht man mit diesem Worte allerley Zusammensetzungen, eine überwiegende Neigung zu etwas anzudeuten, da es denn bald hinten, bald aber auch vorn gesetzet wird. Ein Tadelgern, Trinkgern, Habegern, Zankgern, Spielgern u.s.f. der gern tadelt, trinkt u.s.f. Ingleichen ein Gerngroß, Gernwitz, Gernklug, Gerngelehrt u.s.f. der gern für groß, witzig, klug, gelehrt gehalten werden möchte; welche Wörter aber insgesammt keine Declination leiden. Christen, welche ihren Zweifeln in der Religion nach Herzenlust nachhängen, nennt Klopstock Gerntäuscher. Diese Zusammensetzungen sind schon alt. Lobogerni ist im Notker und Lofgern im Angels. einer, der sich gerne loben höret; Maingiarn, in der Herwarar Saga, der gern betrügt; Hohgerner, bey dem Petz, der nach hohen Dingen trachtet u.s.f.
Bedeutungen:
- [1] freiwillig, mit Vergnügen
- [2] so, dass etwas passiert oder passieren kann; leicht, gewöhnlich
Anmerkung zur Worthistorie:
- die Steigerungsformen gerner und am gernsten sind regional (zum Beispiel im Schwäbischen) erhalten, ansonsten veraltet.[2][3]
Synonyme:
- [1] gern, wäre schön, mit Vergnügen
- [2] leicht
Gegenwörter:
Beispiele:
- [1] Manch einer isst gerne gute Lasagne.
- [1] „Gerne hätte ich mich von Extrembergsteigern der Küstenwache retten lassen, aber dann musste ich mit ansehen, wie ein greises Pärchen an uns vorüber zu Tal schritt, rüstig und flott, mit Kraxelstöcken und völlig schwindelfrei.“[4]
- [2] In den Ecken zwischen Wand und Decke bildet sich gerne Schimmel.
Redewendungen:
Charakteristische Wortkombinationen:
- [1] sehr gerne
- [1, 2] gerne mal
- [2] gut und gerne
Wortbildungen:
- ↑ https://www.dwds.de/wb/etymwb/gern
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 593-594. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000188506; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 593 | 594;Kategorien: Lexikalischer Artikel
- ↑ [593]
- ↑ https://de.wiktionary.org/wiki/gerne