Zum Inhalt springen

tz

aus AufEinWort, der freien Forschung

t + z

tz[1]

[✐ | ✎]
[2]tz, ein zusammen gesetzter Buchstab,
  • welcher in der Reihe der Buchstaben gemeiniglich an das Ende verwiesen wird,
    • ob er gleich, wenn man ihn ja mit aufführen wollte,
    • gleich nach dem t stehen sollte.
  • Vermuthlich wieß ihm das Vorurtheil,
    • daß dieser Buchstab ein zz vorstelle, diesen Platz an,
      • wodurch auch einige Neulinge sich verleiten lassen,
      • statt dessen entweder ein zz oder auch nur ein einfaches[3] z zu schreiben.
      • Das letzte ist offenbar wider die Aussprache,
        • indem der vorher gehende geschärfte Vocal schlechterdings einen doppelten Mitlaut fordert;
        • beyde Arten aber streiten wider den erweislichen Ursprung dieses Zeichens.
  • Es ist in einzelnen Fällen sehr leicht zu zeigen,
    • daß das dem t angehängte z aus einem s entstanden,
      • und zwar in den meisten Fällen aus einem intensiven s,
      • welches in Zeitwörtern in die intensive Endung -sen
      • oder nach einem -t in das härtere -zen, im Nieders. -ten übergehet,
        • daher auch alle Wörter, in welchen dieser Buchstab vorkommt. Intensiva sind.
          • Platz, sitzen, setzen, hetzen, schwitzen, schützen, ritzen, Schatz, putzen u.s.f.
            • zeigen sich bey einer nähern Untersuchung
              • allemahl als Abkömmlinge eines ältern
                • Plat, siten, seten, heten, schwiten u.s.f.
            • welche durch das angehängte Zeichen der Intension -s oder -sen
              • ihre gegenwärtige Gestalt erhalten haben.
      • Man schlage die einzelnen Wörter nach, worin das tz vorkommt,
        • so wird man davon überzeuget werden.
  • Man würde die Aussprache und Ableitung beleidigen,
    • und die Aufsuchung des Ursprunges erschweren,
    • wenn man das tz verbannen oder es durch andere Zeichen ersetzen wollte,
    • und bloß Unwissenheit der ersten Anfangsgründe der Abstammung Deutscher Wörter
      • kann solche Neuerungen anrathen und vertheidigen.
  • Es erhellet daraus zugleich,
    • daß man da kein tz schreiben dürfe,
      • wo sich der Laut nicht in t und s auflösen lässet;
        • Hertzog, Frantzose, tantzen u.s.f. sind unrichtig,
          • weil weder Aussprache noch Etymologie hier etwas von einem t wissen.
      • Wenn die Alten statt tz cz schrieben,
        • so war das c wohl ein übel gebildetes t,
        • oder vielleicht hegten sie auch die irrige Meynung,
          • daß tz ein doppeltes z seyn solle,
          • und daß man das erste um der Bequemlichkeit willen durch ein c ausdrucken könne.
  • Die Niederdeutschen
    • drucken die Intension statt des Oberdeutschen Zischers durch t und ten aus;
      • daher heißt
        • sitzen bey ihnen sitten,
        • Schatz, Schatt u.s.f.
    • in andern Wörtern aber, wo die Onomatopöie noch zu auffallend ist,
      • haben sie auch das tz, wie in platzen, blitzen u.s.f.
  • Die Holländer
    • schreiben in allen solchen Fällen,
      • wo ich nicht irre,
    • ts, und sind dadurch dem Ursprunge dieses Schriftzeichens getreuer geblieben.
  1. ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 727-729. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000478830; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 727 | 728 | 729; Kategorien: Lexikalischer Artikel
  2. ↑ [727]
  3. ↑ [727]