„DILW/40“ – Versionsunterschied
Erscheinungsbild
| [ungesichtete Version] | [ungesichtete Version] |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
K Textersetzung - „</onlyinclude>“ durch „{{SchaufensterEnde|Auszug}}“ |
||
| (5 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
[[DILW/39|▲]][[DILW/41|▼]] | [[DILW/39|▲]][[DILW/41|▼]] {{SchaufensterBeginn|Auszug}}[[DILW/40|▶]] | ||
* Ich frage: Wie kann | * Ich frage: Wie kann Unkenntnis lehren, wenn Lehren doch eine setzende Tat des Aufbauens ist? | ||
* Auch der unterstützende Grund ist nicht gültig, da die Befreiung von aller Form (''[[forma]]'') nicht der Unkenntnis gebührt, die nie eine Form hatte, von der sie befreit werden konnte. | |||
* Auch der unterstützende Grund ist nicht gültig, da die Befreiung von aller Form (''[[forma]]'') nicht der | * Daher zerstört dieses Korollar alles Wissen, indem es unsere Unkenntnis über alle Kenntnis stellt..<ref name=":0">{{Schaufenster|modus=ignorieren|link=1|linkpos=prefix|Seite=DILW/A100}}</ref> | ||
* Darüber hinaus ist nicht einmal die Begründung gültig, die er im [[Werk:De docta ignorantia/L1/II.|zweiten Kapitel des ersten Buches]] anführt: dass nämlich Unkenntnis Kenntnis sei, ''da [[Sokrates]] sich selbst gegenüber nichts zu kennen glaubte, außer dass er nicht kenne, und da zudem jede Untersuchung zur Erkenntnis des Unbekannten eine vergleichende Beziehung zum Gewussten nutzt.<ref name=":1">{{Schaufenster|modus=ignorieren|link=1|linkpos=prefix|Seite=DILW/A101}}</ref>'' | |||
* Daher zerstört dieses Korollar alles Wissen, indem es unsere | * Denn selbst der Lehrer der Heiden, der meinte, er kenne unter den [[Korinther|Korinthern]]<ref name=":2">{{Schaufenster|modus=ignorieren|link=1|linkpos=prefix|Seite=DILW/A102}}</ref> nichts außer Jesus Christus, und zwar den Gekreuzigten, leugnete nicht, dass er über andere Kenntnisse verfügte, an denen er im Überfluss teilhatte. | ||
* Stattdessen bot er den Korinthern die unbekannte Gelehrsamkeit des versiegelten Buches an, welches Christus Jesus ist.<ref name=":3">{{Schaufenster|modus=ignorieren|link=1|linkpos=prefix|Seite=DILW/A103}}</ref> | |||
* Darüber hinaus ist nicht einmal die Begründung gültig, die er im zweiten Kapitel des ersten Buches anführt: dass nämlich | * Mit der Aussage, er kenne, dass er nichts kenne, behauptete Sokrates tatsächlich, er verfüge über Kenntnis. | ||
* Er bestritt, dass er über umfassendes Kenntnisse verfügte (d. h., er gab zu, dass er über teilweises Kenntnisse verfügte) – dabei implizierend, dass er zu kennen verlangt, was er noch nicht kennt, worüber er aber noch keine Erkenntnis hatte. | |||
* Denn selbst der Lehrer der Heiden, der meinte, er | * Denn „wer Wissen vermehrt (apponit), vermehrt auch Kummer“,<ref name=":4">{{Schaufenster|modus=ignorieren|link=1|linkpos=prefix|Seite=DILW/A104}}</ref> Prediger 1. (Oder wie es die gängige Übersetzung besagt: „wer Wissen hinzufügt (addit), vermehrt auch Kummer.“) | ||
* Denn erworbenes Wissen weckt den Wunsch nach größerem Wissen, gemäß der Passage in Jesus Sirach 24: „Wer von mir isst, wird noch hungern.“<ref name=":5">{{Schaufenster|modus=ignorieren|link=1|linkpos=prefix|Seite=DILW/A105}}</ref> | |||
* Stattdessen bot er den Korinthern | * Wie könnte dann Kenntnis, das Unkenntnis vertreibt, aus Unkenntnis entstehen? | ||
* Denn eine [[Privation (Philosophie)|Privation]] führt gemäß Physik I zum Bösen.<ref name=":6">{{Schaufenster|modus=ignorieren|link=1|linkpos=prefix|Seite=DILW/A106}}</ref> | |||
* Mit der Aussage, er | * Aus diesen Überlegungen wird deutlich, wie sehr dieses sehr abstrakte Verständnis (das als erlernte Unkenntnis oder im Volksmund als [[Meister Eckhart#Abgeschiedenheit und Gelassenheit|Leben in Abgeschiedenheit]] bezeichnet wird)<ref name=":7">{{Schaufenster|modus=ignorieren|link=1|linkpos=prefix|Seite=DILW/A107}}</ref> zu einer Vergiftung des Kenntnis und der Praktiken geführt hat, bei der die Sinne verblassen und die Verherrlichung Gottes vernachlässigt wird. | ||
* [Dies ist die Verherrlichung], durch die Gott unter den Heiden und auf Erden erhöht wird, gemäß dem Vers [als unserem Text]: „Sei still und sehe, dass ich Gott bin.“<ref name=":8">{{Schaufenster|modus=ignorieren|link=1|linkpos=prefix|Seite=DILW/A108}}</ref> | |||
* Er bestritt, dass er über umfassendes | * Und es folgt: „Ich werde erhöht werden unter den Heiden, und ich werde erhöht werden auf Erden.“<ref name=":9">{{Schaufenster|modus=ignorieren|link=1|linkpos=prefix|Seite=DILW/A109}}</ref> | ||
* Denn „wer Wissen vermehrt (apponit), vermehrt auch Kummer“,<ref name=":4">{{ | |||
* Denn erworbenes Wissen weckt den Wunsch nach größerem Wissen, gemäß der Passage in Jesus Sirach 24: „Wer von mir isst, wird noch hungern.“<ref name=":5">{{ | |||
* Wie könnte dann | |||
* Denn eine [[Privation]] führt gemäß Physik I zum Bösen.<ref name=":6">{{ | |||
* Aus diesen Überlegungen wird deutlich, wie sehr dieses sehr abstrakte Verständnis (das als erlernte | |||
* [Dies ist die Verherrlichung], durch die Gott unter den Heiden und auf Erden erhöht wird, gemäß dem Vers [als unserem Text]: „Sei still und sehe, dass ich Gott bin.“<ref name=":8">{{ | |||
* Und es folgt: „Ich werde erhöht werden unter den Heiden, und ich werde erhöht werden auf Erden.“<ref name=":9">{{ | |||
{{SchaufensterEnde|Auszug}} | |||
# How, I ask, can ignorance teach, since teaching is a positive act of [[Instruktion|instruction]]? | |||
# Nor is the supporting reason valid, since to be freed of all form (''forma'') does not befit ignorance, which never had a form from which to be freed. | |||
# Therefore, this corollary destroys all knowledge by exalting our ignorance above all knowledge.<ref name=":0" /> | |||
# Moreover, not even the supporting reason which he offers in chapter two of Book One is valid: viz., that ''not-knowing is knowing, since Socrates seemed to himself to know nothing except that he did not know and also since every inquiry utilizes, for a knowledge of what is unknown, a comparative relation to what is known.''<ref name=":1" /> | |||
# For even the Teacher of the Gentiles—who judged himself to know nothing among the Corinthians<ref name=":2" /> except Jesus Christ and Him crucified—did not deny other knowledge, in which he abounded. | |||
# Instead, he offered the Corinthians the unknown learning of the sealed book, which is Christ Jesus.<ref name=":3" /> | |||
# Indeed, Socrates, in stating that he knew that he knew nothing, affirmed that he had knowledge. | |||
# He denied that he had complete knowledge (i.e., he admitted that he had partial knowledge)—thereby implying that he desired to know what he did not yet know but was still ignorant of. | |||
# For “he who increases (''apponit'') knowledge also increases sorrow,“<ref name=":4" /> Ecclesiastes 1. (Or as the common translation has it: “he who adds (''[[addit]]'') knowledge also adds sorrow”). | |||
# For knowledge, acquired, causes a desire for greater knowledge, according to the passage in Ecclesiasticus 24: “those who eat of me shall still hunger.”<ref name=":5" /> | |||
# How, then, could knowledge, which expels ignorance, arise from ignorance? | |||
# For a privation is productive of evil, according to ''Physics'' I.<ref name=":6" /> | |||
# From these considerations it is clear how much poisoning of knowledge and of practices has been introduced by this very abstract understanding (called ''learned ignorance'' or, in the vernacular, ''living in [[detachment]]''),<ref name=":7" /> in which there is a fading away of the senses and in which the glorifying of God is neglected. | |||
# [This is the glorification] by which God is exalted among the heathen and on earth, according to the verse taken [as our text]: “Be still and see that I am God.”<ref name=":8" /> | |||
# And there follows: “I will be exalted among the heathen, and I will be exalted on earth.”<ref name=":9" /> | |||
{{Anmrkng Enzlnchws}} | {{Anmrkng Enzlnchws}} | ||
Aktuelle Version vom 8. Dezember 2025, 18:55 Uhr
- Ich frage: Wie kann Unkenntnis lehren, wenn Lehren doch eine setzende Tat des Aufbauens ist?
- Auch der unterstützende Grund ist nicht gültig, da die Befreiung von aller Form (forma) nicht der Unkenntnis gebührt, die nie eine Form hatte, von der sie befreit werden konnte.
- Daher zerstört dieses Korollar alles Wissen, indem es unsere Unkenntnis über alle Kenntnis stellt..[1]
- Darüber hinaus ist nicht einmal die Begründung gültig, die er im zweiten Kapitel des ersten Buches anführt: dass nämlich Unkenntnis Kenntnis sei, da Sokrates sich selbst gegenüber nichts zu kennen glaubte, außer dass er nicht kenne, und da zudem jede Untersuchung zur Erkenntnis des Unbekannten eine vergleichende Beziehung zum Gewussten nutzt.[2]
- Denn selbst der Lehrer der Heiden, der meinte, er kenne unter den Korinthern[3] nichts außer Jesus Christus, und zwar den Gekreuzigten, leugnete nicht, dass er über andere Kenntnisse verfügte, an denen er im Überfluss teilhatte.
- Stattdessen bot er den Korinthern die unbekannte Gelehrsamkeit des versiegelten Buches an, welches Christus Jesus ist.[4]
- Mit der Aussage, er kenne, dass er nichts kenne, behauptete Sokrates tatsächlich, er verfüge über Kenntnis.
- Er bestritt, dass er über umfassendes Kenntnisse verfügte (d. h., er gab zu, dass er über teilweises Kenntnisse verfügte) – dabei implizierend, dass er zu kennen verlangt, was er noch nicht kennt, worüber er aber noch keine Erkenntnis hatte.
- Denn „wer Wissen vermehrt (apponit), vermehrt auch Kummer“,[5] Prediger 1. (Oder wie es die gängige Übersetzung besagt: „wer Wissen hinzufügt (addit), vermehrt auch Kummer.“)
- Denn erworbenes Wissen weckt den Wunsch nach größerem Wissen, gemäß der Passage in Jesus Sirach 24: „Wer von mir isst, wird noch hungern.“[6]
- Wie könnte dann Kenntnis, das Unkenntnis vertreibt, aus Unkenntnis entstehen?
- Denn eine Privation führt gemäß Physik I zum Bösen.[7]
- Aus diesen Überlegungen wird deutlich, wie sehr dieses sehr abstrakte Verständnis (das als erlernte Unkenntnis oder im Volksmund als Leben in Abgeschiedenheit bezeichnet wird)[8] zu einer Vergiftung des Kenntnis und der Praktiken geführt hat, bei der die Sinne verblassen und die Verherrlichung Gottes vernachlässigt wird.
- [Dies ist die Verherrlichung], durch die Gott unter den Heiden und auf Erden erhöht wird, gemäß dem Vers [als unserem Text]: „Sei still und sehe, dass ich Gott bin.“[9]
- Und es folgt: „Ich werde erhöht werden unter den Heiden, und ich werde erhöht werden auf Erden.“[10]
- How, I ask, can ignorance teach, since teaching is a positive act of instruction?
- Nor is the supporting reason valid, since to be freed of all form (forma) does not befit ignorance, which never had a form from which to be freed.
- Therefore, this corollary destroys all knowledge by exalting our ignorance above all knowledge.[1]
- Moreover, not even the supporting reason which he offers in chapter two of Book One is valid: viz., that not-knowing is knowing, since Socrates seemed to himself to know nothing except that he did not know and also since every inquiry utilizes, for a knowledge of what is unknown, a comparative relation to what is known.[2]
- For even the Teacher of the Gentiles—who judged himself to know nothing among the Corinthians[3] except Jesus Christ and Him crucified—did not deny other knowledge, in which he abounded.
- Instead, he offered the Corinthians the unknown learning of the sealed book, which is Christ Jesus.[4]
- Indeed, Socrates, in stating that he knew that he knew nothing, affirmed that he had knowledge.
- He denied that he had complete knowledge (i.e., he admitted that he had partial knowledge)—thereby implying that he desired to know what he did not yet know but was still ignorant of.
- For “he who increases (apponit) knowledge also increases sorrow,“[5] Ecclesiastes 1. (Or as the common translation has it: “he who adds (addit) knowledge also adds sorrow”).
- For knowledge, acquired, causes a desire for greater knowledge, according to the passage in Ecclesiasticus 24: “those who eat of me shall still hunger.”[6]
- How, then, could knowledge, which expels ignorance, arise from ignorance?
- For a privation is productive of evil, according to Physics I.[7]
- From these considerations it is clear how much poisoning of knowledge and of practices has been introduced by this very abstract understanding (called learned ignorance or, in the vernacular, living in detachment),[8] in which there is a fading away of the senses and in which the glorifying of God is neglected.
- [This is the glorification] by which God is exalted among the heathen and on earth, according to the verse taken [as our text]: “Be still and see that I am God.”[9]
- And there follows: “I will be exalted among the heathen, and I will be exalted on earth.”[10]