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Werk:De docta ignorantia/4

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Praecisio vero combinationum in rebus corporalibus ac adaptatio [1] congrua noti ad ignotum humanam rationem supergreditur, adeo ut Socrati visum sit se nihil scire, nisi quod ignoraret, sapientissimo Salomone asserente cunctas res difficiles et sermone inexplicabiles; et alius quidam divini spiritus vir ait absconditam esse sapientiam et locum intelligentiae ab oculis omnium viventium. Si igitur hoc ita [2] est, ut etiam profundissimus Aristoteles in prima philosophia affirmat in natura manifestissimis talem nobis difficultatem accidere ut nocticoraci solem videre attemptanti, profecto, cum appetitus in nobis frustra non sit, desideramus scire nos ignorare. Hoc si ad plenum assequi poterimus, doctam ignorantiam assequemur. Nihil enim [3] homini etiam studiosissimo in doctrina perfectius adveniet quam in ipsa ignorantia, quae sibi propria est, doctissimum reperiri; et tanto quis doctior erit, quanto se sciverit magis ignorantem. In quem finem de ipsa docta ignorantia pauca quaedam scribendi labores assumpsi.

Dennoch überschreitet vollkommene Genauigkeit der Verbindungen in körperlichen Dingen und eine völlig entsprechende Anpassung des Bekannten an das Unbekannte den menschlichen Verstand so sehr, daß es Sokrates schien, er wisse nichts, außer, daß er nichts wisse, während der weise Salomon versicherte, daß alle Dinge schwierig und in der Sprache nicht ausdrückbar seien. Und ein anderer, von göttlichem Geist erfüllter Mann sagt, daß die Weisheit und der Ort der Einsicht den Augen aller Lebendigen verborgen sei.

Wenn dies sich also so verhält (und das versichert auch der tiefgründige Aristoteles in der «Ersten Philosophie»:  in der Natur bereite uns auch das Offenkundigste die größten Schwierigkeiten, gleich einer Eule, welche die Sonne zu sehen versucht), dann sehnen wir uns – da Drang und Verlangen in uns nicht vergeblich sind – danach, zu wissen, daß wir nicht wissen. Können wir das in seiner Fülle erreichen, so erreichen wir die wissende Unwissenheit. Denn nichts käme dem Menschen, auch dem gelehrtesten, in vollkommenerer Weise zu, als in der Unwissenheit selbst, die ihm eigentümlich ist, höchst weise erfunden zu werden; und je weiser einer ist, um so mehr wird er um seine Unwissenheit wissen.

Um dieses Zieles willen habe ich die Mühe auf mich genommen, einiges wenige über die wissende Unwissenheit zu schreiben.

Einzelnachweise

  1. ↑ 6.10
  2. ↑ 6.15
  3. ↑ 6.20