DG1G/Exkurs über Germanisch und Deutsch/10
▷Hier gelangen wir zu der Wahrnehmung, daß þiuda, unabhängig Ton der Ableitung -isk auf den Begrif der Sprache leite, am klarsten in dem ags. neutr. geþeóde, welches geradezu lingua ausdrückt: þät geþeóde ne can (linguam non novit)[1] Boeth. 61; þâ Finnas and þâ Beormas spræcon neah an geþeóde (eandem fere linguam loquebantur) Älfr. periplus; þätis gereht on ûre geþeóde (quod est explicatum in nostra lingua) Matth. 1, 23. O. hat ein stimmendes githiuti: thag wir engil nennen thaʒ heiʒent boton in githiuti frenkisge' liuti V. 8, 9, er meint: was wir Geistliche Engel nennen, heißt das fränkische Volk Boten. Lat. hätte er sagen können: quos dicimus angelos, theotisce dicuntur boton. Sein in githiuti (acc.) ist folglich = in thiutiscûn. Mhd. aber begegnet das nemliche Wort, nur ohne ge-, in den adv. 'ze diute, be diute: nu ir daʒ latin habit vernomen, nu verneinet ze diute da bi, wag di selbe rede si' Hartm. vom glouben 64; Joachim 'chiut ze diute praeparatio domini' Mar. 150, 21; Cafarnaum 'chiut ze diute villa speciosa' Mar. 175, 9; 'ich muog eg (das fremde mære) iu ze tiute sagen' Barl. 5, 9; 'schœne buochstaben, die sprâchen sus ze tiute' Troj. 787; discordia ze tiute ein misheilunge ist genant Troj. 1262; 'diu (geschrift) sprach alsus ze tiute' Troj. 1453; 'swaʒ ich von der historie nim, daʒ künd ich hie ze tiute' Troj. 17634.[2], altfries. tó thiothe: duas tabulas lapideas, thet sprekth tó thiothe twâ stènene tefla As. 6. Die Form dieser merkwürdigen Ausdrücke anlangend, so halte ich das ahd. githiuti, mhd. diute, altfr. thiote für Neutra, wie das ags. Wort, sie scheinen aber nur in den angeführten Adverbialredensarten übrig, und sonst erloschen, der Vokal in githiuti und diute weicht von dem in thiot und diet, was ein nachfolgendes -i voraussetzt[3]; auf gleiche Weise verhielt sich diutisc zu diot. auch das altfr. thiothe (denn so liest die bs. bei Richthofen, nicht thiote) 'weicht ab von thiad (gens.) in dem mhd. tiute für diute erscheint aber derselbe Fehler, der vorhin bei tiusch für diusch eintrat, und jenes wird nur aus diesem begreiflich, da sich niemals (höchstens in nachwirkender notkerischer Weise) tiet für diet findet. Zusammenhang zwischen diet und diute muß also im 13 Jh. kaum, zwischen diutsch und diute (tiutsch und tiute) aber völlig gefühlt worden sein. In der Tat läßt jenes ahd. in gidiuti, jenes mhd. ze diute sich nicht anders verstehn, als: auf Deutsch, in unsrer deutschen Sprache, in der gemeinen Sprache. Auch mnl. riepen in haren bediede (in ihrer Sprache) Brandaen 1986.