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Altgriechische Grammatik/Deklination

aus AufEinWort, der freien Forschung

Im Altgriechischen werden Substantive, Adjektive, Pronomina, der (definite) Artikel und einige Zahlwörter dekliniert. Besonders Zahl und Formenreichtum der Verbaladjektive ist hoch.

Grammatikalische Kategorien der Nomina

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Die altgriechischen Nomina (deklinierbaren Wörter) werden in den folgenden grammatischen Kategorien dekliniert:

Auch Partizipien, Verbaladjektive und Infinitive werden dekliniert, sie gelten als Zwischenformen (sogenannte Nominalformen des Verbs). Substantive können mit einem Artikel (ὁ, ἡ, τό ho, hē, to „der, die, das“) bestimmtwerden; einen unbestimmten Artikel gibt es nicht.

Kasus

Von den acht Kasus des Indogermanischen haben sich im Altgriechischen fünf erhalten: Nominativ, Akkusativ, Genitiv, Dativ und Vokativ (Anredeform). Nach ihrer Verwendungsweise werden zahlreiche verschiedene Kasusfunktionen unterschieden. Das altgriechische Kasussystem ähnelt in seinen Grundzügen dem deutschen.

Numerus

Neben dem Singular (Einzahl) und Plural (Mehrzahl) hat das Altgriechische noch in Resten den Dual (Zweizahl) behalten. Die Artikel des Duals lauten oft in allen Genera τὼ tō im Nominativ und Akkusativ und τοῖν toin im Genitiv und Dativ. Seltenere Formen des femininen Duals sind entsprechend τὰ ta und ταῖν tain. In der o-Deklination (s. u.) hat er die Endungen -ω -ō im Nominativ und Akkusativ und -οιν -oin im Genitiv und Dativ. In der a-Deklination lauten die Endungen entsprechend -ᾱ -ā und -αιν -ain, in der 3. Deklination -ε -e und -οιν -oin. Der Dual war schon zu vorklassischer Zeit (vor dem 5. Jahrhundert v. Chr.) im Schwinden begriffen, und die ursprüngliche Verwendungsweise (nur für wirklich in der Zweizahl Zusammengehöriges, wie Zwillinge, die beiden Hände, Augen und so weiter) ging verloren. In der klassischen Literatur wurden vorsichtige Wiederbelebungsversuche unternommen, die den Dual jedoch nicht wieder etablierten und außerdem seiner ursprünglichen, spezifischen Verwendungsweise entfremdeten. Aufgrund seiner Seltenheit ist der Dual in den untenstehenden Deklinationsbeispielen nicht aufgenommen.

Beispiele:

Genus

Wie die meisten indogermanischen Sprachen kennt das Altgriechische drei Genera: Maskulinum (männlich), Femininum (weiblich) und Neutrum (sächlich). Männliche Personen sind oft maskulin, weibliche oft feminin.[1][2]Winde, Flüsse und Monate sind oft maskulin, Länder, Inseln und Städte oft feminin.[2] Eine Besonderheit des Neutrums ist, dass bei einem neutralen Subjekt das Prädikat stets im Singular steht. Dies lässt sich damit erklären, dass das Neutrum Plural sprachhistorisch auf ein Kollektivum zurückgeht.

Das Genus commune ist bei einigen Vokabeln ebenfalls erhalten, etwa bei ὁ/ἡ βοῦς ho/hē bous, das sowohl „Rind“ als auch „Ochse“ oder „Kuh“ heißen kann. Einige Wörter sind Epicöna wie ἡ ἀλώπηξ hē alōpēx der Fuchs, was sowohl männliche als auch weibliche Füchse einschließt.[3][4]

Deklination der Substantive

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Das Altgriechische kennt drei grundlegende Deklinationsklassen: die o-Deklination, die a-Deklination und eine dritte, konsonantische Deklination.

Zur a-Deklination (oder ersten Deklination) gehören Feminina auf kurzes -ᾰ -ă (wie δόξᾰ doxă „Ruhm, Ansicht“), langes -ᾱ -ā (etwa χώρᾱ chōrā „Land“) und -η -ē (etwa νίκη nikē „Sieg“) sowie Maskulina auf -ᾱς -ās (etwa νεανίᾱς neaniās „Jüngling“) und -ης -ēs (etwa ποιητής poiētēs „Dichter“). Endet der Wortstamm auf ein ε e, ι i oder ρ r, haben die Endungen in allen Formen ein α a (Alpha purum), andernfalls wird ein langes ᾱ ā zu einem η ē (Alpha impurum). Die Maskulina haben im Genitiv die Endung -ου -ou, im Vokativ enden sie auf -ᾰ -ă, ansonsten werden sie genauso dekliniert wie die Feminina.

Beispielwort: δόξᾰ doxă „Ruhm, Ansicht“ (Femininum, mit kurzem Alpha impurum)
  Singular Plural
Nominativ ἡ δόξα hē doxa αἱ δόξαι hai doxai
Genitiv τῆς δόξης tēs doxēs τῶν δοξῶν tōn doxōn
Dativ τῇ δόξῃ tē doxē ταῖς δόξαις tais doxais
Akkusativ τὴν δόξαν tēn doxan τὰς δόξας tas doxas
Vokativ ὦ δόξα ō doxa ὦ δόξαι ō doxai

Zur o-Deklination (oder zweiten Deklination) gehören Maskulina auf -ος -os (wie φίλος philos„Freund“) und Neutra auf -ον -on (wie τέκνον teknon „Kind“). Die Deklinationsendungen sind dieselben, außer dass Wörter auf -ον -on wie alle Neutra im Nominativ und Akkusativ Plural auf -α -a enden und im Vokativ dieselbe Form wie im Nominativ haben. Ganz vereinzelt kommen auch Feminina auf -ος -os vor (etwa νῆσος nēsos „Insel“), die ebenso dekliniert werden wie die Maskulina. Dazu kommen als Sonderfälle Kontrakta (etwa νοῦς nous„Sinn“), bei denen der vokalische Stamm mit der Deklinationsendung verschmolzen ist, und die sogenannte attische Deklination (wie νεώς neōs „Tempel“).

Beispielwort: φίλος philos „Freund“ (maskulinum)
  Singular Plural
Nominativ ὁ φίλος ho philos οἱ φίλοι hoi philoi
Genitiv τοῦ φίλου tou philou τῶν φίλων tōn philōn
Dativ τῷ φίλῳ tō philō τοῖς φίλοις tois philois
Akkusativ τὸν φίλον ton philon τοὺς φίλους tous philous
Vokativ ὦ φίλε ō phile ὦ φίλοι ō philoi

Die 3. Deklination umfasst eine Vielzahl von konsonantischen Stämmen. Je nach Stammauslaut lassen sie sich in Muta-Stämme (etwa γύψ gyps m. „Geier“ [Stamm γύπ- gyp-], αἴξ aix f. „Ziege“ [Stamm αἴγ- aig-], ὄρνις ornis m.„Vogel“ [Stamm ὄρνιθ- ornith-]), Liquida- und Nasalstämme (etwa ῥήτωρ rhētōr m. „Redner“, μήτηρ mētēr f. „Mutter“, λιμήν limēn m. Hafen), Sigma-Stämme (wie γένος genos n. „Geschlecht, Art“) und Vokalstämme (etwa πόλις polis f. „Stadt“, βασιλεύς basileus m. „König“) unterteilen. Aus sprachhistorischen Gründen unterliegt die Deklination der einzelnen Untergruppen Unregelmäßigkeiten, auf die hier nicht eingegangen werden kann. Zur 3. Deklination gehören Maskulina, Feminina und Neutra. Der Nominativ ist bei den Maskulina und Feminina entweder durch die Endung -ς -s oder die Dehnstufe des Stammes (etwa ῥήτωρ rhētōr zum Stamm ῥητορ- rhētor-) gekennzeichnet, bei den Neutra besteht er aus der Grundstufe des Stammes. Manche Liquidastämme unterliegen dem quantitativen Ablaut (so hat μήτηρ mētēr im Nominativ die Dehnstufe, im Akkusativ μητέρα mētera die Grundstufe und im Genitiv μητρός mētros die Schwundstufe).

Beispielwort Maskulinum: ῥήτωρ rhētōr „Redner“ (maskulinum, Liquida-Stamm ohne Ablaut)
  Singular Plural
Nominativ ὁ ῥήτωρ ho rhētōr οἱ ῥήτορες hoi rhētores
Genitiv τοῦ ῥήτορος tou rhētoros τῶν ῥητόρων tōn rhētorōn
Dativ τῷ ῥήτορι tō rhētori τοῖς ῥήτορσι(ν) tois rhētorsi(n)
Akkusativ τὸν ῥήτορα ton rhētora τοὺς ῥήτορας tous rhētoras
Vokativ ὦ ῥῆτορ ō rhētor ὦ ῥήτορες ō rhētores

Das eingeklammerte Ny im Dativ Plural wird bewegliches Ny genannt (ν ἐφελκυστικόν n ephelkystikon bzw. νῦ ἐφελκυστικόν ny ephelkystikon) und kann unter anderem angefügt werden, wenn das nachfolgende Wort mit einem Vokal beginnt.[5]

Adjektive

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Adjektive werden entweder nach der o/a-Deklination oder nach der 3. Deklination dekliniert. Erstere enden im Maskulinum auf -ος -os, im Femininum auf -α -a oder -η -ē und im Neutrum auf -ον -on (etwa νέος, νέα, νέον neos, nea, neon „neu“). Manche (vor allem zusammengesetzte) Adjektive sind auch zweiendig, d. h., sie enden sowohl im Maskulinum als auch im Femininum auf -ος -os (etwa εὔκολος, εὔκολον eukolos, eukolon „leicht“). Adjektive der 3. Deklination werden teils im Femininum nach der a-Deklination dekliniert (wie πᾶς, πᾶσα, πᾶν pas, pasa, pan „ganz“), teils sind sie auch zweiendig (etwa σαφής, σαφές saphēs, saphes „klar, deutlich“).

Adjektive können gesteigert werden (Positiv σοφός sophos „klug“, Komparativ σοφώτερος sophōteros„klüger“, Superlativ σοφώτατος sophōtatos „am klügsten“). Der Superlativ kann als absoluter Superlativ (Elativ) auch nur eine absolute Herausgehobenheit („sehr klug“) bezeichnen. Die Endungen des Komparativs und des Superlativs sind meist -τερος -teros und -τατος -tatos, bei einigen Adjektiven auch -ίων -iōn und -ιστος -istos (etwa κακός, κακίων, κάκιστος kakos, kakiōn, kakistos „schlecht, schlechter, am schlechtesten“).

Adverbien werden von den Adjektiven mit der Endung -ως -ōs abgeleitet (vergleiche σοφός ἐστιν sophos estin „er ist klug“ [Prädikatsnomen, Adjektiv] und σοφῶς λέγει sophōs legei „er spricht klug“).

Pronomina

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Personalpronomina gibt es in der 1., 2. und 3. Person.[6][7] Die Nominativformen der Personalpronomina (attisch: ἐγώ egō „ich“, σύ sy „du“, ἡμεῖς hēmeis „wir“, ὑμεῖς hymeis „ihr“) sind stets betont, weil die Person im Normalfall schon durch das Verb angegeben ist. In den übrigen Kasus wird zwischen den enklitischen unbetonten Formen (etwa με me) und nicht-enklitischen Formen (ἐμέ eme„mich“), die in betonter Stellung und nach Präpositionen stehen, unterschieden. Als Ersatz für die Personalpronomina der 3. Person werden im Nominativ auch die Formen des Demonstrativpronomens οὗτος houtos („dieser“), in den übrigen Kasus die Formen des Wortes αὐτός autos („selbst“) verwendet. In allen drei Personen gibt es reflexive und nichtreflexive Formen des Personalpronomens, je nachdem, ob sie sich auf das Subjekt des Satzes beziehen (etwa ἐμέ eme „mich“ – ἐμαυτόν emauton „mich [selbst]“). In der 3. Person wird zudem zwischen direkt und indirekt reflexiven Pronomina unterschieden, wobei sich die indirekt reflexiven Pronomina auf das Subjekt des übergeordneten Satzes beziehen. Das Possessivpronomen lautet ἐμός, σός emos, sos. Es existiert im klassischen Griechisch nur in der 1. und der 2. Person.

An Demonstrativpronomina kommen ὅδε, ἥδε, τόδε hode, hēde, tode(„dieser“, wie lateinisch 'hic, haec, hoc'), οὗτος, αὕτη, τοῦτο houtos, hautē, touto („dieser“, wie lateinisch 'is, ea, id') und ἐκεῖνος, ἐκεῖνη, ἐκεῖνο ekeinos, ekeinē, ekeino („jener“, wie lateinisch 'ille, illa, illud') vor. Das Relativpronomen ὅς, ἥ, ὅ hos, hē, howird durch Anhängung des Indefinitpronomens zum verallgemeinernden Relativpronomen ὅστις, ἥτις, ὅτι hostis, hētis, hoti. Das verallgemeinernde Relativpronomen ähnelt dem indirekten Fragepronomen. Das direkte Fragepronomen τίς, τί tis, ti („wer, was“) trägt stets den Akut. Das Indefinitpronomen τις, τι tis, ti („irgendjemand, irgendetwas“) entspricht dem direkten Fragepronomen, ist aber enklitisch.

  1. ↑ Herbert Weir Smyth, Gordon M. Messing: Greek Grammar. Harvard University Press, Cambridge 1956, S. 45 f.
  2. ↑ a b William W. Goodwin: A Greek Grammar. Revised and enlarged. Boston 1900, S. 35. “159 The gender must often be learned by observation. But
    (1) Names of males are generally masculine, and names of females feminine.
    (2) Most names of
    rivers, winds, and months are masculine; and most names of countries, towns, trees, and islands are feminine.
    […]
    (4) Diminutive nouns are neuter […].
    ”
  3. ↑ Herbert Weir Smyth, Gordon M. Messing: Greek Grammar. Harvard University Press, Cambridge 1956, S. 46. Zitat: “198. Common Gender. – Many nouns denoting persons are either masculine or feminine. […]”
  4. ↑ William W. Goodwin: A Greek Grammar. Revised and enlarged. Boston 1900, S. 35. Zitat: “158. Nouns which may be either masculine or feminine are said to be of the common gender as (ὁ, ἡ) θεός, God or Goddess. Names of animals which include both sexes, but have only one grammatical gender, are called epicene (ἐπίκοινος); as […] ἡ ἀλώπηξ, the fox; […] including males and females.”
  5. ↑ Herbert Weir Smyth, Gordon M. Messing: Greek Grammar. Harvard University Press, Cambridge 1956, S. 84. Zitat: “134. Moveable N may be added at the end of a word when the next word begins with a vowel. […] 135 Moveable ν is usually written at the end of clauses, and at the end of a verse in poetry. To make a syllable long by position (144) the poets add ν before words beginning with a consonant. Prose inscriptions frequently use ν before a consonant.”
  6. ↑ Herbert Weir Smyth, Gordon M. Messing: Greek Grammar. Harvard University Press, Cambridge 1956, S. 90.
  7. ↑ William W. Goodwin: A Greek Grammar. Revised and enlarged. Boston 1900, S. 82.