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Werk:Apologia doctae ignorantiae/10

aus AufEinWort, der freien Forschung

▷«Non satis praemeditate haec praemisit pro clipeo, cum totum sit in sano intellectu Doctae ignorantiae consentaneum. Pauca videtur hic homo legisse et minus, quae legit, intellexisse. Nam mystica theologia ducit ad vacationem et silentium, ubi est visio, quae nobis conceditur, invisibilis Dei; scientia autem, quae est in exercitio ad confligendum, illa est, quae victoriam verborum exspectat et inflatur, et longe abest ab illa, quae ad Deum, qui est pax nostra, properat. Unde, cum confligere ex sua scientia proponat, qualis sit illa, occultare nequivit. Id enim, quod inflat et ad conflictum excitat, seipsum prodit: eam scilicet non esse scientiam, quae per vacationem in mentis visionem tendit, qualis est docta ignorantia. Putabat autem se novi aliquid aperuisse, quando daemonium ab inflante scientia Graece dictum asserit; sed non vidit fortassis Platonem aut Apuleium De deo Socratis aut Philonem, qui ait Moysen eos appellare angelos, quos Graeci daemones, licet ibi kalodaemones et kakodaemones distinguantur. .

«Als er das als Schild vorhielt, hat er sich dies vorher nicht genügend überlegt, denn für einen gesunden Verstand stimmt das ganze mit der wissenden Unwissenheit völlig überein. Der Mensch scheint wenig gelesen und noch weniger das, was er gelesen hat, verstanden zu haben. Denn die mystische Theologie führt zu Leere und Schweigen, wo die uns zugestandene Schau des unsichtbaren Gottes ist. Das Wissen, das im Streitgespräch verwendet wird, ist jenes, das einen prahlerischen Sieg der Worte erwartet. Es ist weit entfernt von jenem Wissen, das zu Gott, der unser Friede ist, eilt. Darum kann er, wenn er vorhat, seinem Wissen gemäß zu kämpfen, dessen Qualität nicht verbergen. Das Wissen nämlich, das aufbläht und zum Streit antreibt, verrät sich selbst als ein Wissen, das nicht jenes ist, welches durch Leere zur Schau des Geistes strebt, wie die wissende Unwissenheit. Er glaubt, er habe etwas Neues gebracht, wenn er behauptet, daß das Wort «Dämon» im Griechischen vom sich aufblähenden Wissen abgeleitet sei; aber er hat vielleicht nicht einmal Plato oder Apuleius' «De deo Socratis» oder Philo eingesehen. Letzterer sagt, daß Moses jene Wesen Engel nennt, welche die Griechen als Dämonen bezeichnen, wenn sie auch zwischen kalodaemones und kakodaemones unterscheiden.◀▷