Werk:Apologia doctae ignorantiae/11
▷Ubi autem adicit prophetam per pronomen ‘ego’ singularizasse Deum et exclusisse et distinxisse ab omni creatura, in quo ait propositum suum solidari, pueriliter satis se fundare videtur. | Nemo enim[1] umquam adeo desipuit, ut Deum aliud affirmaret quam id, quo maius concipi nequit, qui est formans omnia. Unde nec Deus est hoc aut illud, nec caelum nec terra, sed dans esse omnibus, ut ipse sit proprie forma omnis formae, et omnis forma, quae non est Deus, non sit proprie forma, quia formata ab ipsa incontracta et absoluta forma. Quapropter absolutissimae et perfectissimae atque simplicissimae formae nullum esse abesse potest, quoniam dat omne esse. Et cum omne esse ab ipsa sit forma et extra eam esse nequeat, omne esse in ipsa est; omne autem esse in ipsa forma non potest aliud esse quam ipsa, cum ipsa sit infinita essendi forma, simplicissima et perfectissima. Hinc patet Deum nequaquam concipi debere habere esse, modo quo singulare diversum et distinctum aliquod esse concipitur, neque eo modo, quo universale esse concipitur aut genus aut species, sed ultra coincidentiam singularis et universalis absolutissima forma omnium generalium, specialium ac singularium aut quarumcumque formarum, quae concipi et dici possunt. Est enim principium, medium et finis omnium talium ipsa omnem conceptum excedens ineffabilis forma.
Dort aber, wo er bemerkt, daß durch das Pronomen «Ich» der Prophet Gott vereinzelt, ausgeschlossen und von jedem Geschöpf getrennt habe und diese seine «Erkenntnis» zur Grundlage seines Vorhabens machen will, scheint er sich vollkommen kindisch benommen zu haben. Denn niemand ist jemals so ohne Verstand gewesen, daß er von Gott etwas anderes behauptet hätte, als dies: Größer als Gott kann nichts gedacht werden; Gott bildet alles. Darum ist Gott nicht dieses oder jenes, weder Himmel noch Erde, sondern der, der allem das Sein gibt, wie er selbst die eigentliche Gestalt einer jeden Gestalt ist; und jede Gestalt, die nicht Gott ist, ist nicht die eigentliche Gestalt, weil sie von der entschränkten und absoluten Gestalt gestaltet ist. Deshalb kann der absoluten, vollkommensten und einfachsten Gestalt nichts fehlen, weil sie alles Sein gibt. Und da alles Sein von dieser Gestalt kommt und außerhalb von ihr nicht sein kann, ist alles Sein in ihr. Alles Sein aber kann in dieser Gestalt nichts anderes sein als sie selbst, da sie selbst die unbegrenzte Gestalt der Wirklichkeit ist, die einfachste und vollkommenste. Daraus erhellt, daß Gott keineswegs so begriffen werden darf, als ob er Sein hätte; und zwar darf er weder auf die Weise, wie irgendein einzelnes, getrenntes und gesondertes Sein begriffen wird, noch auf die Weise, wie das universale Sein oder die Gattung oder die Eigengestalt begriffen wird, verstanden werden. Er ist vielmehr jenseits der Koinzidenz des Einzelnen und Allgemeinen die absolute Gestalt alles Gattungshaften, Eigengestaltlichen und Einzelnen oder jeder Gestalt, die begriffen und genannt werden kann. Denn die unsagbare Gestalt, die jeden Begriff übersteigt, ist Anfang, Mitte und Ende aller Gestalten.◀▷
- ↑ fol.36r