Werk:Apologia doctae ignorantiae/23
▷Hiis taliter recensi|tis per praeceptorem – quae te puto aliquotiens[1] ab eo in summa audivisse – aiebam ego: «Non videtur impugnator intellexisse, quid volueris per coincidentiam contradictoriorum. Nam, ut audisti, tibi – licet falso – adscribit, quod asseras creaturam cum creatore coincidere, et hanc partem impugnat.» Ad quae ille: «Dixi, quomodo animalis homo non percipit ea, quae sunt de regno Dei, et si passio eum non vicisset, non falsificasset scripta. Statuit autem, ut videtur, quomodo omnino impugnare vellet scripta illa; et pro suo desiderio tam in sensu quam verbis falsarius reperitur. “Mos est pertinacissimorum haereticorum detruncare scripturas”, aiunt sextae synodi Patres. Nam tale quid ex libellis Doctae ignorantiae veritatis amator haberi negat neque quidquam eorum, quae elicit, admitteret modo, quo elicit. Nam dicere imaginem coincidere cum exemplari et causatum cum sua causa potius est insensati hominis quam errantis. Per hoc enim, quod omnia sunt in Deo ut causata in causa, non sequitur causatum esse causam, – licet in causa non sint nisi causa, sicut de unitate et numero saepe audisti. Nam numerus non est unitas, quamvis omnis numerus in unitate sit complicitus sicut causatum in causa; sed id, quod intelligimus numerum, est explicatio virtutis unitatis. Sic numerus in unitate non est nisi unitas.
Nachdem der Meister dies durchgesprochen hatte – sicher hast du das schon irgendeinmal kurz von ihm gehört –, bemerkte ich: «Unser Gegner scheint nicht verstanden zu haben, was du mit der Koinzidenz der Gegensätze wolltest. Denn du hast gehört, wie er dir fälschlich zuschreibt, du hättest behauptet, daß das Geschöpf mit dem Schöpfer zusammenfalle. Und das bekämpft er.» Darauf er: «Ich habe dargelegt, daß der sinnliche Mensch das, was zum Reiche Gottes gehört, nicht begreift, und wenn Wenck nicht von seiner Voreingenommenheit überwältigt worden wäre, hätte er die Schrift nicht durch falsche Beschuldigungen entstellt. Er scheint aber beschlossen zu haben, sie unter allen Umständen zu bekämpfen und aus diesem Bestreben wird er in Sinn und Wort als Lügner erfunden. «Es ist die Art hartnäckiger Häretiker, die Schriften zu verstümmeln», sagten die Väter des Sechsten Synode. Ein wahrheitsliebender Mensch nämlich wird nicht zugeben, solches aus den Büchern der Docta ignorantia herauszulesen, noch würde er gelten lassen, daß irgend etwas auf jene Weise, wie dieser es tat, herausgegriffen wird. Denn zu behaupten, das Abbild sei mit seinem Urbild identisch und das Begründete mit seinem Grund, kommt eher einem Verrückten denn einem Irrenden zu. Darum nämlich, weil in Gott alles ist wie das Begründete in seinem Grund, kann folglich das Begründete nicht der Grund sein, wenn es auch im Grund nichts als der Grund selbst ist. Solches hast du über die Einheit und die Zahl oft gehört. Denn die Zahl ist nicht die Einheit, obwohl jede Zahl in der Einheit wie das Begründete im Grund eingeschlossen ist, sondern das, was wir unter Zahl verstehen, ist die Ausfaltung der Wirk-Kraft der Einheit; deshalb ist die Zahl in der Einheit nichts als die Einheit. ◀▷
- ↑ fol.37v